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VII. Abschluß des Studiums
von dem Gymnasiasten angepriesenen antiken Metren zu dichtenversuchte. Es kam nichts dabei heraus und ärgerlich verzichtete derDichter auf die Formen der Griechen. Max selbst besaß ein gefälligesReimtalent, das er ziemlich anspruchsvoll ausübte. Der Dichterriet ihm dringend von der Poesie ab, denn fügte er scherzend hinzu,ein Poet in der Familie sei genug Unglück.
Am nächsten von seinen Geschwistern stand Heine seine SchwesterCharlotte. Mit ihr hatte er als Kind gespielt, aber was er an ihrliebte, war weniger ihre Person als die Erinnerung an seine eigeneJugend. Sie ließ sich von ihm liebevolle Briefe schreiben, ließ sichauch in den Zeiten ihrer Schwangerschaft manchen unfeinen Scherzsagen, und sie hat diese Briefe vermutlich ebenso liebevoll beant-wortet und den Dichter zum Vertrauten ihrer häuslichen und ehe-lichen Sorgen gemacht. Ihre Äußerungen sind nicht erhalten,aber aus Heines Antworten ergibt sich, daß von einer Teilnahmeder Schwester an seinen Interessen nicht die Rede war. Sie haltensich an der Oberfläche. Er denkt nicht daran, der Schwester seineSorgen, seine Pläne oder Herzensnöte mitzuteilen. Sie erhält wohlVersicherungen seiner Liebe, aber kaum ein Wort, das nicht jederFremde ebensogut erfahren könnte. Diese Liebe ist konventionell, wiesie zwischen gut erzogenen Geschwistern mit gemeinsamen Kindheits-erinnerungen üblich ist. Heines Verhältnis zu Charlotte läßt sichmit dem Goethes zu Cornelie oder dem Heinrich von Kleists zuUlrike nicht vergleichen. Für die eine war es ein Opfer, als siesich verheiraten und dadurch von dem Bruder entfernen mußte, dieandere blieb ledig, um ihm ausschließlich zu leben. .Heine hat anseiner Schwester weniger gehabt als Schiller an der seinen, obgleichdiese an Bildung und Erziehung der Hamburgerin nachstand. Alssie sich verlobte, glaubte sie sicher nicht, daß der Bruder dadurchetwas verlieren würde. Und er verlor auch nichts. Sein Glück-wunsch vom 2. Februar 1823 bekundet keine Enttäuschung und keineVerstimmung, im Gegenteil, er ist mit der Wahl des Schwagersdurchaus zufrieden.
Die Ehe gestaltete sich nicht sehr glücklich, aber nicht deshalb