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VII. Abschluß des Studiums
wüßt komische Klagen eines Dichters, der von der fremden Wissen-schaft nichts wissen will. Für Heines Begabung war es eine Kleinig-keit, sich das wenige anzueignen, das zum Examen nötig war, wenner nur den guten Willen besaß. Aber der hatte leider gefehlt undfehlte auch in Lüneburg, da der Dichter noch immer nicht sicherwar, daß er wirklich in den sauren Apfel der Jurisprudenzbeißen mußte.
In dieser verstimmenden Lage fand er noch nicht einmalbei seinen nächsten Angehörigen, bei Eltern und Geschwistern,Trost oder Verständnis. Das Gefühl der Familienzugehörigkeit warbei ihnen stark ausgeprägt, aber es beruhte mehr auf einer an-erkennenswerten altjüdischen Tradition und überliefertem Pflicht-gefühl als auf freier Wahl und persönlicher Liebe. Ein Mitgefühlfür seine besonderen Lebensverhältnisse und ein Eingehen auf seineEigenart als Dichter hatte er hier nicht zu erwarten. So schrieber an Moser: „Was die Aufnahme bei meiner Familie betrifft, sohat meine Mutter die Tragödien und Lieder zwar gelesen, abernicht sonderlich goutiert, meine Schwester toleriert sie bloß, meineBrüder verstehen sie nicht und mein Vater hat sie gar nicht ge-lesen." Daß die Eltern nicht die Bildung besaßen, das Schaffenihres Sohnes zu begreifen, ist schon früher dargelegt worden. DieGeschwister dagegen hätten es vermocht, aber bei ihnen fehlten der guteWille und das Interesse. Ihr Verhältnis zu dem ältesten Bruder warnicht so, daß sie sich besondere Mühe gaben, seine Dichtungen zuverstehen. Gustav wie Max waren äußerliche Menschen, die denSchein über das Wesen stellten, beschränkte Köpfe, aber geschickt,wenn ihr Vorteil in Frage kam, stets darauf bedacht, nach außengute Figur zu machen, selbst wenn es auf Kosten der inneren Wahr-heit geschah. Beide waren liebenswürdig und wußten durch Liebens-würdigkeit ihre Rücksichtslosigkeit, den Mangel an Gefühl und dasFehlen aller höheren Eigenschaften zu verbergen. Den älteren hatteder Dichter schon damals durchschaut. Er erwähnt zwar den Bruderwie keinen seiner Angehörigen jemals, ohne hinzuzusetzen, daß er ihnliebe, aber diese „Liebe" verhinderte ihn nicht, schon 1827 zu schreiben,