Die Stimmung
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noch ein drittes aus Fleisch und Blut auf der Bühne haben, dasnur die Aufgabe hat, die berühmte schottische Ballade zu singenund dadurch für Stimmung zu sorgen. Denn das muß man Heinelassen, so verfehlt und künstlich zusammengeleimt die Tragödie ist,sie hat Stimmung. Darin waren die Dichter der Schicksalsideeals echte Romantiker überhaupt groß, sie verstanden es, einedrückende, unheilbrütende Stimmung zu beschwören. Nicht nur vondem „Ratcliff", sondern ebensosehr von der „Ahnfran", vonMüllners „Schuld" oder Werners „24. Februar" geht ein Stim-mungszauber aus, der über den Unsinn der dargestellten Handlunghinwegtäuscht. Heines Schilderung der schottischen Nebellandschaft,des einsamen Grafenschlosses, der verlornen Waldschenke mit derRäuberbande ist äußerst wirkungsvoll. Man merkt, daß er seitdem „göttlichen Almansor" reifer geworden ist.
Der Dichter hat den „Ratcliff", besonders in späteren Jahrenwegen seiner sozialen Tendenz geschätzt. Bei einer Neuausgabe imJahre 1851 schrieb er im Vorwort: „Der junge Autor . . . sagthier unverhohlen sein letztes Wort. Dieses Wort wurde seitdemein Losungswort, bei dessen Ruf die fahlen Gesichter des Elendswie Purpur aufflammen und die rotbäckigen Söhne des Glückszu Kalk erbleichen. Am Herde des ehrlichen Tom im „Ratcliff"brodelt schon die große Suppenfrage, worin jetzt tausend ver-dorbene Köche Herumlöffeln, und die täglich schäumender überkocht."Die Worte beziehen sich auf die Erklärung des Helden:
. . . und einen Mann ergreift der Zorn,
wenn er betrachtet, wie die Pfennigseelen,
die Buben, oft im Uberflusse schwelgen,
in Samt und Seide schimmern, Austern schlürfen,
sich in Champagner baden, in dem Bette
des Doktor Graham's ihre Kurzweil treiben,
in goldnen Wagen durch die Straßen rasseln,
und stolz herabsehn auf den Hungerleider,
der mit dem letzten Hemde unterm Arm
langsam und seufzend nach dem Leihhaus wandert.
Sie wird ergänzt durch Toms Einteilung der Menschen in „zwei