William Ratcliff
147
Wühle der Hauptstadt die Qual seines Herzens zu übertäuben,vergebens stürzt er sich in das tollste Leben —
Portwein, Champagner, alles wollt' nicht fruchten,nach jedem Glase ward mein Herz betrübter.
Blondinen und Brünetten, keine könnt'forttändeln und fortlächeln meinen Schmerz.
Sogar beim Faro fand ich keine Ruh'.
Marias Aug' schwamm auf dem grünen Tische,
Marias Hand bog mir die Parolis,und in dem Bild der eckigen Koeur-Damesah ich Marias himmclschöne Züge!
Maria war's, kein dünnes Kartenblatt;
Maria war's, ich fühlte ihren Atem,s ie winkle: Ja! sie nickte: Ja! — va bangue!
Zum Teufel war mein Geld, die Liebe blieb.
Er wird Straßenräuber und treibt in England sein Wesen; aberdie Liebe läßt ihm keine Ruhe, sie zieht ihn oftmals wie mit un-sichtbaren Eisenarmen nach Schottland hinüber, nur in MariasNähe kann er ruhig schlafen; denn er hat den fürchterlichen Schwurgetan, jeden im Duell zu töten, der sich mit Marien vermähle.Schon zweimal hat er den ihr angetrauten Gatten in der Hochzeits-nacht erschlagen und der Neuvermählten mit zierlicher Verbeugungden Verlobungsring überreicht. Das Stück beginnt in dem Augen-blicke, wo der Segen des Priesters Marien mit ihrem drittenGatten, dem Grafen Douglas, vereinigt hat. Ratcliff fordert auchdiesen zum Zweikampf heraus und das Duell findet, trotz allervon Mac-Gregor getroffenen Vorsichtsmaßregeln, statt. Diesmaljedoch verläßt das Glück Ratcliff, Douglas verwundet ihn undschlägt ihm das Schwert aus der Hand; er will ihn aber nichttöten, da jener ihm kurz vorher bei einem räuberischen Überfallim Walde das Leben gerettet hat. Ratcliff wankt, geistig vernichtet,ins Schloß; als Maria ihn blutend und verwundet erblickt, nach-dem die alte Amme Margareta ihr eben die Geschichte ihrer Muttererzählt hat, erwacht in ihr die alte Liebe, sie beschwört ihn, vorihrem Gatten und ihrem Vater zu fliehen, die schon verfolgendherannahen — da eilt Ratcliff mit ihr ins Brautgemach, ersticht
10*