William Ratclifs
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für einen großen Dichter, ja er wagte ihn mit Goethe in einemAtem zu nennen. Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten fpotten,und Heine war es gewiß nicht.
Er selber freilich besaß keine Klarheit, daß er in feinem Trauer-spiel mit gebundener Marschroute vorging, er ahnte nicht, daß ernur der Exponent einer übermächtigen literarischen Strömung war,und daß er mit „Ratclifs" eine im Sinne der Zeit banale Schicksals-tragödie verfaßte. Sein Freund Merckel erhielt von ihm ein Exemplarmit der Widmung:
Ich habe die süße Liebe gesucht,und Hab' den bittern Haß gefunden,ich habe geseufzt, ich habe geflucht,ich habe geblutet aus tausend Wunden.
Auch Hab' ich mich ehrlich Tag und Nachtmit Lumpengesindel herumgetrieben;und als ich all diese Studien gemacht,da Hab' ich ruhig den Ratclifs geschrieben.
Heine glaubte sein Eigenstes zu geben, er bildete sich ein, seinpersönliches Schicksal darzustellten weil er wieder eine unglücklicheLiebesgeschichte dramatisierte. Wenn er sich wirklich in der Ge-stalt seines Helden fand, so beweist das nur, wie wenig er damalsschon er selber war und wie tief er noch in der Literatur, besondersin der Byrontradition steckte. Wenigstens im Drama. Entwicklungs-geschichtlich gehören die beiden Tragödien nicht zu dem „LyrischenIntermezzo", sondern zu den „Traumbildern", die die neue Ge-dichtsammlung weit hinter sich ließ.
Der Inhalt des Stückes sei wieder mit den Worten Strodt-manns gegeben: „Die kurze Handlung hat, wie die meisten Schick-salsdramen, eine lange Vorgeschichte, die ans der Vergangenheit alstragisches Verhängnis in die Gegenwart hinübergreift. Die ausHerders Übersetzung bekannte altschottische Ballade: Mas ist deinSchwert von Blut so rot?' hat ursprünglich alles Unheil ver-schuldet. Edward Ratclifs liebte Schön-Betty, die eines Tages alleinin ihrem Zimmer saß und das Lied vor sich hin sang:
Wvlff, Heine 10