Die Tendenz
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Judentum trägt die Schuld au dieser Rollenverteilung, dennin Bonn und Göttingen, wo die Tragödie in der Hauptsachegeschrieben wurde, war ihm der große Judenschmerz noch ganzgleichgültig. Byron war wieder sein Vorbild. Die ungleiche Ab-wägung von Licht und Schatten auf die beiden feindlichen Religionenstammt von ihm, aber er nicht allein, sondern das gesamte Zeit-alter sah das spanische Maurentum verklärt vom Schimmer ritter-licher und künstlerischer Romantik. Wenn man die Berichte ausalter Zeit mit- dem gegenwärtigen Zustand verglich, die einstigeBlüte Andalusiens mit dem jetzigen Verfall, so mußte man zumLobredner der Vergangenheit werden. In dieser poetischen Ver-klärung erscheinen die Mauren bei Chateaubriand, dem Erneuererdes Christentums in Frankreich, und um zwei Heine näher liegendeBeispiele zu nehmen, bei Fouqus und bei Jmmermann. Sein Drama,das „Tal von Ronceval" ist nicht ohne Einfluß auf „Almansor"geblieben. Die Religion des Koran war allen diesen Dichtern fremd,sie betrachteten sie als ein sinnenfreudiges Heidentum, sie kanntennur die frohe Pracht der arabischen Architektur und begeistertensich für die Helden und Liebesgesänge des Orients. Im Vergleichmit diesem Islam der Romantik erschien das Christentum als eineblutige Religion der Sinnenfeindschaft, wie es schon Goethe in der„Braut von Korinth" dargestellt hatte. Dieser Auffassung schließtsich Heine an; die Lehre Muhameds ist die Religion der Schönheit,die Jesus' die der Askese und des Menschenopfers.
Später in Berlin änderte sich seine Anschauung. Aus derkünstlerischen Abneigung wurde ein religiös-politischer Haß, und indieser Stimmung mag manche scharfe Bemerkung unterstrichen,mancher bittre Ausfall hinzugefügt sein. Vielleicht wurde auch da-mals erst der christliche Bräutigam Zuleimas in einen Hochstaplerund Zuchthäusler verwandelt, denn das Motiv hängt völlig inder Luft, ebenso wie der Spott über die schlecht getauften Maurennachträglich zugespitzt sein mag. Heine selbst hat die religiös-pole-mische Absicht in einem Schreiben an den Verleger Dümmler zu-gegeben, in einem andern an Jmmermann heftig bestritten und