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Heinrich Heine
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135
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Almansor

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und Reiche werden selig in der Armut;in diesem Hanse wird der Frohe traurig,und aufgeheitert wird da der Betrübte.

Denn selber als ein traurig armes Kinderschien die Liebe einst auf dieser Erde.Ihr Lager war des Stalles enge Krippe,und gelbes Stroh war ihres Hauptes Kissen;und fluchten mußte sie wie'n scheues Reh,von Dummheit und Gelehrsamkeit verfolgt.Für Geld verkauft, verraten ward die Liebe,sie ward verhöhnt, gegeißelt und gekreuzigt;doch von der Liebe sieben Todesseufzernzersprangen jene sieben Eisenschlösser,die Satan vorgehängt der Himmelspsorte;und wie der Liebe sieben Wunden klafften,erschlossen sichs auf neu' die sieben Himmel,und zogen ein die Sünder und die Frommen.Die Liebe war's, die du geschaut als Leicheim Mutterschoße jenes traur'gen Weibes.O glaube mir, an jenem kalten LeichnamKann sich erwärmen eine ganze Menschheit,aus jenem Blute sprossen schönre Blumen,als aus Alraschid's stolzen Gartenbeeten,und ans den Augen jenes traur'gen Weibesfließt wunderbar ein süßres Rosenöl,als alle Rosen Schiras' liefern könnten.

Auch du hast teil, Almansor den Abdullah,an jenem ew'gen Leib und ew'gen Blute;auch du kannst dich zu Tisch mit Englein setzenund Himmelsbrot und Himmelswein genießen;auch du bist durch die Liebe sündenfrei,darfst freudig wohnen in der Sel'gen Halle,und gegen Satans starke Höllenmachtschützt dich mit ew'gem Gastrecht Jesu Christi,wenn du genossen hast seinBrot und Wein".

Dies Sirenenlied der Liebe, vom Munde der Geliebten gesungen,nimmt Almansors ganzes Wesen gefangen; er ahnt nicht den lebens-feindlichen Sinn, der sich unter dem schmeichlerischen Worte ver-birgt, er hört nur dessen verlockenden Klang;