1ZZ VI. Die Tragödien
matik bis zu Wagners „Nibelungen" Buchdramen, die ihren Ab-schluß am Schreibtisch des Künstlers, nicht auf den Brettern selberfinden. Die Aufführung ist nicht die notwendige, sondern eine zu-fällige Erscheinungsform des Werkes, das ebensogut im stillenKämmerlein gelesen werden kann. Auch Heine hat bei seinen Stückenmehr an Leser als an Zuschauer gedacht. Sie sind keine Theater-stücke im Sinne der Shakespeareschen oder Molioreschen.
Da der „Almansor" heute so gut wie unbekannt ist, muß seinInhalt in den Grnndzügen angegeben werden. Der Titelheld undZuleima werden schon als Kinder miteinander verlobt und gleich-zeitig ausgetauscht, so daß er von Abdullah als seinem angeblichenVater auferzogen wird, sie von dem guten Aly, den sie für denihren hält. Nach der Einnahme von Granada bekehren sich Aly undZuleima zum Christentum, das Mädchen aus Überzeugung, er, weiler, wie der eingeschobene Chor auseinandersetzt, nicht nach Afrika,„ins dunkle Land der Barbarei" zurückkehren, sondern in Spanienbleiben will, weil er im ahnungsvollen Geiste voraussieht, daß dortim Jahre 1820, also mehrere Jahrhunderte nach seiner Zeit derFreiheitskampf des Riego ausbrechen wird. Abdullah und Almansordagegen flüchten getreu dem Glanben ihrer Ahnen. Auf einer Wall-fahrt nach Mekka verliert der Jüngling seinen vermeintlichen Vater,Aly dagegen glaubt, daß Almansor tot sei und daß ihn Abdullahgetötet habe, um ihm den eignen Glaubenswechsel zu vergelten. Soweit reicht die Vorgeschichte. Zu Beginn des Stückes ist Almansorvoll Sehnsucht nach Granada zurückgekehrt und in einen: verfallenenSchlosse seiner Väter trifft der als Spanier Verkleidete mit demalten Hassan zusammen, der im Verein mit einigen glaubenstreuenMauren einen Guerillakrieg gegen die christlichen Sieger führt.Dieser alte Diener, so erläutert Strodtmann den weiteren Verlaufdes Dramas, „beschwort den Sohn seines ehemaligen Herrn, seinVorhaben aufzugeben und die abtrünnige Geliebte zu vergessen.Almansor aber will diese noch,' einmal wiedersehn und verfügt sichsofort nach Alys Schlosse, wo eben die Verlobung Zuleimas miteinem windigen Jndustrieritter gefeiert wird, der sich unter einem