Anlehnungen
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den sie beim Abschied macht, sagt genug. Diese Gedichte sind wohlbitter, aber frei von Verbitterung. Es ist der Wille des Schicksals:
Mein Lieb, wir sollen beide elend sein.
Der Dichter weiß ein künstlerisches Maß in seinem Schmerze zuhalten. Das zeigt sich besonders in der raffinierten Zusammen-stellung. Die 65 Gedichte sind mit einem Geschick aneinandergereiht,daß jedes die Wirkung des nächsten erhöht, sei es, daß es die Stim-mung weiterführt, sei es, daß es sie durch dem Gegensatz ergänzt.Es herrscht eine Harmonie, die selbst über die schwächeren Liederhinweghilft, so daß sie als Störung kaum empfunden werden.
Es hält nicht schwer, auch in diesem Zyklus Anlehnungen anältere Dichter zu entdecken. Anklänge an Uhland und Byron sindallerdings spärlich, desto stärker solche an die eigentlichen Roman-tiker, an Tieck, Clemens Brentano und Wilhelm Müller. Heineselbst hat das anerkannt. „Ich bin groß genug," so schrieb er einpaar Jahre später an Müller, „Ihnen offen zu bekennen, daßmein kleines .Jntekmezzo'-Metrum nicht bloß zufällige Ähnlichkeitmit Ihrem gewöhnlichen Metrum hat, sondern daß es wahrscheinlichseinen geheimsten Tonfall Ihren Liedern verdankt, indem es dielieben Müllerschen Lieder waren, die ich zu eben der Zeit kennenlernte, als ich das .Intermezzo' schrieb. Ich habe sehr früh schondas deutsche Volkslied auf mich einwirken lassen; späterhin, als ich inBonn studierte, hat mir August Schlegel viel metrische Geheimnisseaufgeschlossen, aber ich glaube erst in Ihren Liedern den reinenKlang und die wahre Einfachheit, wonach ich immer strebte, ge-funden zu haben. Wie rein, wie klar sind Ihre Lieder und sämtlichsind es Volkslieder. In meinen Gedichten hingegen ist nur dieForm einigermaßen volkstümlich, der Inhalt gehört der konventio-nellen Gesellschaft. Ja, ich bin groß genug, es zu wiederholen,...daß mir durch die Lektüre Ihrer 77 Gedichte zuerst klar geworden,wie man aus den vorhandenen Volksliederformen neue Formenbilden kann, die ebenfalls volkstümlich sind, ohne daß man nötighat, die alten Sprachholperigkeiten und Unbeholfenheiten nach-zuahmen."