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V. Erste Dichtungen
Es ist eine alte Geschichte,doch bleibt sie immer neu;und wem sie just passieret,dem bricht das Herz entzwei —
Die beiden ersten Verse bleiben im Stofflichen stecken, man mußsich die verwickelten Beziehungen erst mit Hilfe der wirklichenPersonen und an der Hand der wirklichen Ereignisse zurechtlegen, man muß sich klar machen, das ist der Verfasser, das AmalieHeine, das der Herr Zst, den sie liebt, der vierte Herr Friedländer,den sie heiratet. Es wird in diesen Zeilen nichts als das nackteErlebnis dargelegt, sie enthalten trotz der gereimten Form keinePoesie, und erst in dein dritten Vers kommt die poetische Stimmungzu ihrem Recht.
Das sind vereinzelte stoffliche Schlacken, aber von diesen Aus-nahmen abgesehen, erhebt uns das „Lyrische Intermezzo" in dasLand der reinen Kunst, in das Bereich des verarbeiteten Rohstoffes,der mit dem Erlebnis etwa so viel Ähnlichkeit besitzt wie das Bildnisder kindischen Venus mit dem Marmorblock, aus dem es gehauenwurde, oder mit dem Stnndenmädchen, das für sie Modell gestandenhat. Im Gebiet dieser reinen Poesie gibt es keinen Heinrich, keineAmalie Heine und keinen John Friedländer, überhaupt keine irdischenGeschöpfe mehr, sondern nur Gebilde der einen und freien Kunst.Da ist die Geliebte, wie es in Nummer 41 heißt, ein Königskind,ihr Vater trägt ein Szepter von Gold und eine diamantene Krone,und der Liebhaber ist ein Prinz aus dem Märchenlande der Poesie.Sie haben weder mit dem Hamburger Bankier noch mit seinenMillionen, seiner Erbin und seinem Neffen etwas zu tun, sondernsind ausschließlich Schöpfungen des Dichters, nicht reale Menschen,die sich eine poetische Maske aufgesetzt haben.
Des Dichters Aug', im schönen Wahnsinn rollend,blitzt auf zum Himmel, blitzt zur Erde nieder,und wie die schwangre Phantasie Gebildevon unbekannten Dingen ausgebiert,gestaltet sie des Dichters Kiel, benenntdas luftge Nichts und gibt ihm festen Wohnsitz.