Das Erlebnis
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darzustellen, aber dieses Erlebnis ist genau so wie alles, was ergehört, gelesen oder durch die Überlieferung und Erziehung über-nommen hat, immer nur Rohstoff, aus dem erst die Stimmung desKünstlers das Kunstwerk erschafft. Die Stimmung, d. h. im SinneBenedetto Croces die Lyrik des Dichters trägt uns aus der irdischen,materiellen Sphäre des Erlebnisses in die weit darüberliegende derKunst, und es ist ein Rückfall in das rein Stoffliche und eineAufhebung der künstlerischen Illusion, wenn wir plötzlich daran er-innert werden, daß das alles nicht der Traum eines Dichters,sondern das Erlebnis eines ganz gewöhnlichen Menschen ist. Daraufberuht ja die berühmte oder berüchtigte romantische Ironie unseresDichters und seines Vorbildes Brentano, daß sie den Leser plötzlichdurch eine spöttische, prosaische Bemerkung aus allen Himmelnreißen und ihm zum Bewußtsein bringen: Das alles ist keinePoesie, sondern ein wirkliches Erlebnis des vr. für. HeinrichHeine aus Düsseldorf. Die Erhebung über das Erlebnis istKunst, das Eingehen auf das Erlebnis ist das Gegenteil vonKunst, ist Prosa.
Es war der große Irrtum der Romantiker, daß sie den Künstlerüber das Kunstwerk stellten, das Umgekehrte ist richtig: Der Künstler,selbst der größte, ist immer nur ein Mensch, in ihm paart sichstofflich Erlebtes und stimmungsvoll Empfundenes; das wahre Kunst-werk geht aber völlig in der Stimmung auf und wenn es nochSpuren des Erlebten aufweist, so sind das Schlacken, die ihm durchseine Geburt aus dem Rohstoffe anhaften. Solche werden auchbei dem besten Lyriker nicht fehlen. Wir brauchen nur das bekannteGedicht des „Intermezzo" zu nehmen:
Ein Jüngling liebt ein Mädchen,die hat einen andern erwählt;der andre liebt eine andre,und hat sich mit dieser vermählt.
Das Mädchen heiratet aus Ärgerden ersten, besten Mann,der ihr in den Weg gelaufen;der Jüngling ist übel dran.
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