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V. Erste Dichtungen
Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein,dann knospen nnd blühen die Blümlein auf;wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf,dann schwimmen die Sternlein hintendrein;wenn der Sänger zwei süße Äuglein sieht,dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt; —doch Lieder und Sterne nnd Blümclcin,und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein,wie sehr das Zeug auch gefällt,so macht's doch noch lang' keine Welt.
Diese „Welt'' war die Tragödie „Almansor", die so gut wie be-endet in seinem Schreibtisch lag. Dazu kam ein zweites Traner-spiel „William Ratcliff", das im Winter 1822 gedichtet wurde,und zwischen diese beiden größeren Werke stellte der Verfasser eineReihe kleinerer Gedichte, die infolge ihrer Stellung den Titel „Ly-risches Intermezzo" empfingen. Im April 1823 konnte der Bandbei Ferdinand Tümmler erscheinen, dem neuen Verleger Heines,den er durch die Vermittlung Eduard Hitzigs gewonnen hatte. Erführte den Titel „Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo vonH. Heine". Aus der Bezeichnung ergibt sich, daß die beiden drama-tischen Werke dem Verfasser bei weitem wichtiger und bedeutenderdünkten, während er die Lyrik nur als Beigabe hinzufügte, als sub-jektive Ausdeutung des objektiv Dargestellten. Der Erfolg war derumgekehrte. Das Intermezzo enthält die besten Gedichte Heines undbildete später den wertvollsten Bestandteil des „Buches der Lieder";es wird noch heute von Tausenden und Abertausenden gelesen,während die Tragödien längst vergessen sind und selbst von denLiterarhistorikern ungern in die Hand genommen werden.
Die ältesten Gedichte des „Lyrischen Intermezzo" sl, 65 ff.) reichenbis in die Hamburger Zeit zurück und wurden schon 1817 verfaßt.Bonn und Göttingen scheinen wenig dazu beigesteuert zu haben,die Mehrzahl der Lieder ist in Berlin geschrieben. Jni „Buch derLieder" enthält das „Intermezzo" im ganzen 66 Nummern, inder ersten Ausgabe fehlten der Prolog und das erste Gedicht, dochwaren dafür einige andre vorhanden, die in den heutigen Ausgaben