Kritik
III
mismus aus der UnPoesie der Zeit zu erklären, aus dem „bitterenGrimm über eine nüchterne, unempfängliche Gegenwart". Auf-fälligerweise erschien in demselben Blatt eine Woche später einezweite, nur mit „Schm." gezeichnete Besprechung, die nach Strodt-manns einleuchtender Annahme Wohl bestimmt war, das unein-geschränkte Lob Jmmermanns zu dämpfen. Der Kritiker gibtzu, daß Heine zwar das Wesen der Poesie erfaßt, ihren Zweckaber völlig verfehlt habe, denn seine „schneidende Dissonanz undsein wilder Zerstörungsgeist" lassen die religiöse Erhebung nichtaufkommen, die der Endzweck aller Kunst sein müsse. Der Ver-fasser dieser Kritik ist der einzige, der die Bedeutung der „Grena-diere" im Vergleich zu den anderen Gedichten erkennt, freilichunter dem für seine Zeit bezeichnenden Gesichtspunkt, daß diesesLied in französischer Sprache ein „echtes französisches Volks-lied" sein würde.
Am Schluß des Bändchens waren den eignen Dichtungeneinige Übersetzungen Byrons beigefügt, von denen eine schon ausder Hamburger Zeit stammte, die spätern unter Schlegels Einflußin Bonn entstanden waren. Auch sie wurden von der Kritik freund-lich aufgenommen, und man wird zugeben, daß Heine die Schwierig-keiten des Originals, vor allem die der großen Geisterszene aus„Manfred" mit anerkennenswertem Geschick, wenn auch mit großerFreiheit, überwunden hat. Es lohnt nicht auf Einzelheiten ein-zugehn, da seine Übersetzertätigkeit mit diesen Jugendarbeiten er-schöpft ist, mit Ausnahme eines hebräischen Sabbatliedes, das erspäter verdeutschte.
Heine konnte mit der Aufnahme seiner Erstlinge zufrieden sein^wenn es ihn auch schmerzen mochte, daß keine von den anerkanntenGrößen der deutschen Literatur sie beachtet und besprochen hatteund daß der Absatz, der beste Wertmesser für die Teilnahme desPublikums, zu wünschen ließ. Desto mehr lag ihm daran, diesemersten Bändchen bald etwas Neues und Bedeutendes folgen zulasten. An den Schluß der Romanzen hatte er ein Gedicht aus derGöttinger Zeit gesetzt: