Freskosonette
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verbirgt die ärgsten Tücken; „ihr Engelsfrätzchen" ist schlimmer alsdie „grimmen Teufelsfratzen", sie treibt ihn zum Selbstmord undbringt „Flamme und Tod". Ja, noch weiter geht die Steigerungdes jugendlichen Dichters. Seine Liebe selbst ist schimpflich, er mußdie Geliebte verachten, sie ist eine Verfemte, und wenn er sie liebt,so setzt er dabei das Heil seiner Seele aufs Spiel. Man mag andie Neigung des jungen Harry zu der Scharfrichterstochter Josefedenken, aber wenn dies Abenteuer in Betracht kommt, so doch nurinsoweit, als es den Dichter für diese literarischen Motive besondersempfänglich machte. Seit der Zeit der nachpetrarkesken Lyrik ge-hört es zum eisernen Bestand der Poesie, auf der einen Seite dieSchönheit, auf der andern die Grausamkeit, die Tücke, ja den Un-wert der Geliebten in den stärksten Farben aufzutragen. Heineschließt sich diesen bewährten Vorgängern an, weil er eben Roman-tiker ist, weil er als solcher nur unglücklich lieben kann und nichtsGutes in der Welt finden darf.
Seine negative Richtung findet den energischsten Ausdruck inden Freskosonetten, die dem Freunde Christian Sethe zugeeignetwurden. Die Menschheit, wie sie hier geschildert wird, besteht nurnoch aus Lumpengesindel, aus verleumderischen Buben, schamlosenMetzen, Halunken, abgeschmackten Lassen, hochgelahrten Affen, feigenBösewichtern, aus Narren, Pöbel und Pedanten. Und dieser Weltder Niedertracht, diesem Galgenpack, steht der Dichter gegenüber,ein Einsamer wie Byron, in der Brust die ganze Empörung undden ganzen Hohn des großen Vorbildes. Wie soll er sich dieserGesellschaft gegenüber verhalten? Genau so wie der britische „Vetter"es gezeigt hatte. Gleich ihm vermummt sich auch sein Nachfolgerwie einer von den Schuften und spielt ihnen den Harlekin vor.Oder er bekämpft sie, obgleich er weiß, daß der Edle in dem un-gleichen Kampfe mit dem Gemeinen nicht obsiegen kann, und erlacht über das „Wurmgezücht" mit endlosem Hohngelächter. Heinehat sich in die Byron-Pose ganz hübsch hineindeklamiert, aber seineFreskosonette sind zumeist doch nur Deklamationen. Sie klingengewaltig, aber es sind doch nur Worte: