Der Weltschmerz
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und merken, daß ihm auch manches andere gelingt. Hübsch, freilichrecht sentimental ist die „Bergstimme" und reinste Empfindungspricht aus den beiden ersten Versen der „Wasserfahrt":
Ich stand gelehnet an den Mast,und zählte jede Welle.
Ade! mein schönes Vaterland!
Mein Schiff, das segelt schnelle!
Ich kam schön Liebchens Hans vorbei,die Fensterscheiben blinken;ich guck' mir fast die Augen aus,doch will mir niemand winken.
Konnte der jugendliche Verfasser hier nicht aufhören? Wir wissenja, daß es ihm im Leben übel geht, mußte er noch in einem über-flüssigen dritten Vers die Tränen ermahnen, ihn zu verschonen undsein „krankes Herz vor allzugroßem Wehe" nicht zu brechen? Somischt sich überall Fertiges und Unfertiges. Aber dieser Dichter istgesund, er besitzt sogar in dem „Lied von den Dukaten" einenhübschen Humor, aber er wagt noch nicht, er selber zu sein undsein Eigenstes zu geben. Er steht noch, wenn auch unbewußt, imBanne von Vorbildern, die ihn aus fremde Bahnen locken, ihm dieStimmung verderben und ihn zwingen, sich selber Gewalt anzutnn.
Als Byron starb, rühmte ihm Heine nach, er habe „im Schmerzeneue Welten entdeckt". Das war das Höchste, was er zum Lobedes „Vetters" zu sagen wußte. Der Romantiker lebt ja zerfallenmit Geschick und Welt, er muß daher unglücklich sein, und daseinzige, wovon er singen kann, ist sein Unglück, besonders seinestets unglückliche Liebe. Nach Byrons Vorbild wollte Heine demSchmerze neue Welten entdecken. Darum führt er uns in eine Atmo-sphäre des Wahnsinus und des Leichenduftes, darum erzählt er seineTräume von Gespenstern und Gerippen und darum verwechselt erdas Poetische mit dem Gräßlichen und Grotesken. Das alles solldie Ungeheuerlichkeit seines Schmerzes bekunden, der, wenn möglich,noch gewaltiger und dämonischer ist als der Byrons. Dieses Be-streben führt den Dichter über die Grenze des Künstlerischen hinaus.Wir sahen, wie er sich die „Wasserfahrt" durch die Ausmalung.