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V. Erste Dichtungen
Heinrich gleichen Gespenstern. Don Ramiro ist sein eigener Schatten,der aus dem Grabe aufsteigt, und die andern Gestalten laufenentweder im „tollen Wahn" oder wie die „Minnesänger" mit derTodeswunde in der Brust herum. Die Hauptsache ist, daß sie mög-lichst unwirklich sind. Diese Poesie setzt sich zusammen aus Wahn-sinn, Leichenduft und Kirchhofsgrausen, also aus lauter Elementen,die dem gesunden Empfinden widerstreben.
Ist dieser Dichter krank? Man ist geneigt, die Frage zu be-jahen; man will von einer Poesie nichts wissen, die jedes kräftigeLebensgefühl verneint. Liest man unter den Romanzen Albern-heiten wie „Fensterschau" oder törichte Reimereien wie die „ZweiBrüder", möchte man das Buch aus der Hand legen. Doch der.Blick fällt auf die „Grenadiere".
Nach Frankreich zogen zwei Grenadier',die waren in Rußland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,sie ließen die Köpfe hangen
Man stutzt, man liest das Gedicht nochmals. Das kann nur einganz großer Dichter geschrieben haben. Diese Gedrungenheit derDiktion, diese Anschaulichkeit der Darstellung, diese prachtvoll durch-geführte Stimmung! Auch „Belsazar" erregt die Bewunderung, eineBallade, wie sie sein muß, knapp eindrucksvoll, nur die bedeutendstenMomente hervorhebend und rasch zur Katastrophe eilend, keinelangausgesponnene Erzählung wie Schillers Balladen, die die jüngereGeneration so stark beeinflußten. Wer das kann, der muß auch nochmehr können. Sieht man genauer zu, so entdeckt man in den meistenGedichten Stellen, in denen sich der echte Dichter ankündigt; so dieanschaulichen Schilderungen der Hochzeitsfeier in „Don Ramiro".Selbst die „Traumbilder" verraten oft eine unheimliche Kraft. DieseGespenster sind eigentlich keine Phantome, sondern namentlich in dembesten, dem achten Stück realistische Gebilde, Ausgeburten einerwahrhaft schöpferischen Phantasie, die leibhaftig vor dem Auge desDichters stehn. Der Anfänger ist viel wirklicher, als er sein möchteund als ein Romantiker sein darf. Wir verstehen ihn jetzt besser