Traumbilder
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vernünftig, so würde er nicht lieben. Da er aber einen Teil Ver-nunft und einen Teil Unvernunft besitzt, so flieht er die Menschen,steigt auf den höchsten Berg und weint. Er ist das Vorbild desDichters selber, der bei den Menschen nur Übles und die Kunst nurfern von ihnen findet. Jeder Romantiker ist ein „armer Peter".
Für Goethe ist die Poesie liebevolles Versenken in die Dinge,der Romantiker flieht vor den Dingen. Das Leben hat ihm janichts zu bieten, außer wie dem armen Peter Enttäuschung undUngemach. Je weiter er sich von der Wirklichkeit entfernt, destopoetischer wird es und desto wohler fühlt er sich. Der Traum istdie Aufhebung der Realität, daher die reinste Poesie. Der jungeHeine träumt also, und was er träumt, sagt uns das erste Gedichtder Sammlung:
Mir träumte einst von wildem Liebesglühn,von hübschen Locken, Myrten und Resede,von süßen Lippen und von bittrer Rede,von düstrer Lieder düstern Melodien.
Verblichen und verweht sind längst die Träume,verweht ist gar mein liebstes Traumgebild!
Geblieben ist mir nur, was glutenwildich einst gegossen Hab' in weiche Reime.
Der Dichter flieht aus der Wirklichkeit, die ihm keine Poesie bietenkann, und so folgen auf die Einleitung zehn weitere Gedichte, diealle als Träume eingeführt werden, die „Traumbilder". Auch zumLobe einer Sängerin weiß der junge Dichter nichts Besseres zu sagen,als daß bei ihren Tönen ein Traum über ihn gekommen sei (I, 51).Das ist seine höchste Steigerung, Aufhebung der Wirklichkeit. MitMenschen hat diese Poesie ungern etwas zu tun. Sie sind ihr zurealistisch, sie zieht Gespenster vor. Die Traumbilder sind voll vonsolchem Mitternachtsspuk, es wimmelt von Geistern und Dämonenvon Seelen, die sich umgebracht haben oder die gehängt wurden,von Teufeln und Gespenstern. Und dazwischen wandelt die toteGeliebte. Die Menschen werden dem Dichter erst interessant, wennsie dem Leben nicht oder möglichst wenig angehören. Der armePeter sieht wie eine Leiche aus, die schöne Hedwig und der bleiche