Verhältnis zu Goethe
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klareres Urteil über seine eignen Leistungen als die der andern. SeinGeschmack war nie ganz sicher und besonders in jüngeren Jahrenbewegte er sich in seltsamen Jrrgängen. In einem ClaurenschenLustspiel fand er „eine leichte, originelle, fast märchenhafte Heiter-keit", Müllners „Schuld" erklärte er für sein „Lieblingsbüchlein",die trivialen Reimereien seines Kommilitonen Rousseau gefielen ihmausgezeichnet, und das klägliche Trauerspiel „Tassos Tod" vonWilhelm Smets würdigte er 1821 einer spaltenlangen anerkennendenBesprechung (Vil, 152 ff.). Unter diesen Dichtern war freilich kein Platzfür Goethe. Als der Freund Varnhagen 1824 ein größeres Sammel-werk zu Goethes Ehren veranstaltete, lieferte ihm auch Heine einenBeitrag ans Lüneburg, der leider nicht erhalten ist. Er wurdenicht aufgenommen, angeblich weil er zu spät eintraf, in Wirklichkeit,wie der Verfasser vermutete, weil er den Herausgeber Varnhagennicht befriedigte. Sicher beging Heine nicht die Geschmacklosigkeit,Goethe in dieser Gelegenheitsschrift zu tadeln; im Gegenteil es istanzunehmen, daß er mit Lob damals nicht kargte, wo er selbstaufs eifrigste bemüht war, die Aufmerksamkeit und Anerkennungdes Meisters zu gewinnen. Aber es fehlte das richtige Verständnis,der Gleichklang der Seelen, der die echte Empfänglichkeit erzeugt.Und dabei ist es auch geblieben. Heine hat später Goethe getadeltund gelobt, aber Lob und Tadel wurden durch Ursachen bestimmt,die mit Goethes poetischer Bedeutung kaum etwas zu tun hatten.
Auch in dem trinkfrohen literarischen Kreise, der sich in derbekannten Weinstube von Lutter und Wegener am Gensdarmen-markt zu versammeln pflegte, hat Heine verkehrt. Freilich den Be-gründer der fröhlichen Zechgesellschaft und ihr geistiges Haupt,den Dichter und Kammergerichtsrat E. T. A. Hoffmann, den sog.Gespensterhoffmann, hat er nicht mehr persönlich gekannt, ein schweresRückenmarksleiden fesselte diesen an seine gegenüberliegende Wohnung.Damit war der Genialste aus der Schar hinweggenommen. Weh-mütig mochte sein Kumpan, der große Schauspieler Ludwig Devrient,auf den leeren Stuhl des trunk- und witzreichen Gefährten blicken.Die jüngeren Mitglieder boten keinen Ersatz, weder Dietrich Grabbe,