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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

dessen starkes dramatisches Talent bald im Alkohol unterging, nochKarl Köchy, Friedrich von Uechtritz oder Ludwig Gustorf, Literatenvon zweifelhafter Befähigung und teilweise sogar zweifelhafter Moral,so daß Heine sich bald genötigt sah, ihre unliebsame Intimität ab-zuschütteln. Die geistvollen Gelage bei Lutter und Wegener artetenin wüstes Toben aus, und es ist kaum anzunehmen, daß unserDichter an dem Lärm Gefallen fand und in diesem radaulustigenKreise eine Rolle spielte. Er haßte den Tabaksqualm, er schätzteden Wein, wenn ihm seine Kopfschmerzen überhaupt den Alkohol-genuß erlaubten, nach der Güte und nicht nach der Menge, undsein stilles Wesen und scharf pointierter Witz waren zu fein, umin dieser weinseligeu Gesellschaft zur Geltung zu kommen.

Soweit wir wissen, hat Heine in Berlin sehr solide gelebt. Erhat überhaupt niemals einen ausschweifenden Lebenswandel geführt.Es hat wohl Zeiten gegeben, wo er sinnlichen Genüssen mehr nach-ging, als für seinen schwachen Körper gut war, und er besaßwie die meisten künstlerisch schaffenden Naturen eine starke, vielleichtauch nicht ganz gesunde Sinnlichkeit, aber im Gegensatz zu andernDichtern genügte es ihm, sie bei Damen zu befriedigen, die ausder Befriedigung ein Gewerbe machten. Er hat, wie alle jungenLeute, Schönheiten gekannt, die man nicht unter den Linden grüßt,aber aus seinem ganzen Leben ist nicht eine große Leidenschaft be-kannt, nicht eine von denkolossalen Amouren" oder diabolischenVerführungskünsten, die man ihm nachsagte und die er sich gern nach-sagen ließ. Der interessante Wüstling ist ein literarischer Typus,den die Dichter jener Zeit durchweg mit mehr oder weniger Glückverkörperten. Byron spielte die Rolle meisterhaft, und wenn er gewißauch kein moralisch einwandfreies Leben führte, so ist doch schonbei ihm der Nimbus ungeheuerster Lasterhaftigkeit Mache undReklame.Unsere kleineu Byrons", wie sie Chamisso spöttischnannte, durften hinter dem Meister nicht zurückstehen und spielten,jeder in seiner Art, die Rolle des gewissenlosen Rouos, Musset undLermoutoff so gut wie Heine. Das Genie trat dadurch in einenwirkungsvollen Gegensatz zu dem Philister und erregte bei ihm