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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

mäßigem Eifer in der Diplomatie gearbeitet sowie den Krieg mit-gemacht. Die Literatur interessierte ihn mehr als der Staatsdienst,und dies Interesse führte ihn zu Rahel, der er wohl an Geschmackund Verständnis für das Schöne, nicht aber an geistiger Tiefe undGröße der Auffassung ebenbürtig war. Varnhagen war der typischeMann des Tagebuchs, Anekdotenjäger, Notizensammler, Kleinigkeits-krämer, gefährlich dadurch, daß er jede Äußerung, ob er sie selbsthörte oder ob sie ihm zugetragen wurde, festnagelte, aber ein treuerFreund seiner Freunde und ein hingebender Gatte und Bewundererseiner Frau. Auch in der Ehe behielt Rahel ihren jüdischen Glauben,obwohl ihr die Sache ihrer Glaubensgenossen gleichgültig war undsie ihre Abstammung geradezu als eiue Schmach empfand. Sie warohne Religion, und erst unmittelbar vor ihrem Ende besann siesich ans den Glauben ihrer Väter. Das Vermögen der beidenGatten erlaubte ihnen, auf dem damals in Berlin üblichen be-scheidenen Fuß eine unbegrenzte Gastfreundschaft zu treiben. Beidebesaßen einen ausgedehnten Bekanntenkreis, das Haus stand jedemoffen, der geistig etwas zu bieten hatte, und es gab in der Zeit181530 wohl kaum einen bedeutenden Menschen, ob er nun zukürzerem oder längerem Aufenthalte nach Berlin kam, der nichtdiesen führenden Salon besucht hätte. Dazu kam Rahels und ihresMannes ausgedehnte Korrespondenz, so daß ihr Haus tatsächlich derMittelpunkt des geistigen Deutschlands wurde. Theodor Mündt be-zeichnete Rahel treffend als den mitempfindenden Nerv unserer Zeit.Sie war menschensüchtig, wenn man dieses Wort im edeln Sinneversteht. Das Phänomen Mensch hatte für sie das höchste Interesse,während sie über Stand, Religion, sittliche und politische An-schauungen als äußere Zufälligkeiten hinwegsah. In dieser Be-ziehung war sie ihres Meisters Goethe würdige Schülerin, in demBestreben, ein Mensch mit Menschen zu sein.

Heine wurde bald nach seiner Ankunft in Berlin in dem Varn-hagenschen Hause eingeführt. Verständnisvoll erkanntedie kleineFrau mit der großen Seele" das Besondere in dem schüchternen,gesellschaftlich ungewandten Jüngling. Sie selbst berichtete später