Rahel
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liches war Rahel fremd, sie war über Vorurteile erhaben und durcheine stürmische, aber unglückliche Leidenschaft zu einem spanischenWachs, die nicht zur Ehe führte, hatte sie die Gewalt der Sinneund des Herzens an sich selber kennen gelernt. Sie huldigte, wiespäter ihr Gatte schrieb, der Religion der Liebe, die jedes echteGefühl heilig sprach und es für Pflicht hielt, ihm zu folgen. Siestand auf dem Boden der Romantik, die dem großen Individuum,dem Genie, das Recht zuerkannte, sich über die Schranken und Gesetzeder Philister hinwegzusetzen. Jedoch war sie eine tief sittliche Natur,und diese Sittlichkeit verhinderte sie, gleich den andern genialenFrauen ihrer Zeit, gleich Karoline Schlegel oder ihrer Glaubens-genossin Dorothea Veit, von einem Mann zum andern zu laufenund das zu genießen, was sie in der Theorie als Glück ansah.So klagte sie selber: „Die andern (Frauen) haben alles, weilsie Mut und Glück hatten, ich denke mir das meiste, weil ichkein Glück hatte und keinen Mut bekam." So lebte sie ineiner Welt des Widerspruches, eine leidenschaftliche Natur ohnedie Kraft, diese Leidenschaft auszuleben, unbefriedigt und innerlichzerrissen. Nur einen festen Punkt gab es in ihrem Dasein, daswar ihre unbegrenzte Goetheverehrung. Als eine der ersten inDeutschland begriff sie die ganze Größe des Dichters und desMenschen, und die Verkündung seines Ruhmes wurde ihr zurLebensaufgabe. In Berlin sammelte sie eine Goethegemeinde umsich, und das wenige, was sie über den Meister geschrieben hat,gehört zum Verständnisvollsten der damaligen Goetheliteratur. Sonstist Rahel als Schriftstellerin nicht hervorgetreten. Das will vielsagen in jener schreibseligen Zeit, die in Ermangelung aller öffent-lichen Interessen jeden begabten Menschen zum Literaten machte.Sie schrieb nichts, nicht weil sie nichts zu sagen hatte, sondern weildie Form, in der sie es zu sagen vermochte, ihren eigenen Ansprüchennicht genügte.
Schon in reiferen Jahren stehend (1814), heiratete sie den west-fälischen Edelmann August Varnhagen v. Ense. Er war wesentlichjünger als seine Gattin, hatte mit bescheidenem Erfolg und mit