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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

auf dieses Vorbild hingewiesen hat, so hat ihr Verkehr nicht segens-reich ans ihn gewirkt, zum mindesten nicht so segensreich wie dermit Rahel v. Varnhagen. Sie ist diejenige Frau, die Heine imganzen Leben am nächsten gestanden hat, näher selbst als Mutterund Schwester. Er hat beide geliebt, aber mehr als liebevolleFamilienangehörige waren sie ihm nicht. Sie besaßen gar nicht dieBildung, um an seinen Sorgen und seinen Kämpfen teilzunehmen,und hatten, ohne daß ihre besten Absichten angezweifelt werdensollen, keine Ahnung, daß ein Dichter eine andre Art von Liebebrauche als ein Mann, der morgens ins Geschäft geht und abendsmüde nach Hause kommt. Gerade Heine mit seinem weichen Gemüt,mit seiner launenhaften Reizbarkeit, seinem kränklichen Körper, seinerkindlichen Unbeholfenheit, seiner Rastlosigkeit und seinem Bedürfnisnach materiellem Behagen brauchte mehr als jeder andre Künstlereine Frau, die verständnisvoll und zart, mitfühlend und doch klug,schweigend und doch energisch für ihn sorgte, ja ihn leitete und vorden Fehlern bewahrte, in die ihn sein schwacher Charakter ver-strickte. Es war das größte Unglück seines Lebens, daß er sie nichtoder doch nur für ganz kurze Zeit in Rahel fand, die ihm nachJahren und Stellung nicht mehr als eine mütterliche Freundinwerden konnte. Aber solange er in Berlin lebte, hat sie den denkbargrößten veredelnden und bildenden Einfluß auf den Dichter ausgeübt.

Rahel Levin war 1771 geboren, sie hatte also, als Heine nachBerlin kam, bereits die fünfzig erreicht. Schon in früher Jugendzeigte sie einen bemerkenswerten Grad von Selbständigkeit, indemsie sich nicht nach damaliger jüdischer Sitte an irgendeinen beinaheunbekannten Mann verheiraten ließ, sondern sich ihr Leben selbstgestaltete. Es gelang ihr durch ihren Geist und ihre Bildung sowiedurch ihr zwar nicht schönes, aber anziehendes Äußere die besteGesellschaft Berlins an ihr Haus zu fesseln. Selbst der geistvollePrinz Louis Ferdinand, der bei Saalfeld in dem ersten Zusammen-stoß mit den napoleonischen Truppen fiel, gehörte zu ihrem Freundes-kreis, und wenn sie ihn zum Genossen ihrer Goethebewunderung machte,so machte er sie zur Vertrauten seiner Liebschaften. Nichts Mensch-