Byrons Einfluß
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großen Teil aus der Byronstimmung erwachsen ist, aber daswar mehr eine unbewußte Hingabe an den Dichter, jetzt wollteer in bewußter Weise dem Menschen Byron nachfolgen. Er strebtedanach, seine europäische Mission zu übernehmen und eine inter--nationale Berühmtheit wie er zu erlangen. Sogar Äußerlich-keiten des Vorbildes ahmte er nach, das Zucken der Oberlippeals Zeichen des inneren Höllenschmerzes, die stürmische Haar-tracht und das genial geschlungene Halstuch. Er ließ sich inder Byron-Pose malen, zeigte sich abstoßend und finster im Um-gang und wob allmählich den Nimbus des Lasters und des Ver-führers um seine Person, obgleich er nach dem allgemeinen Zeugnisaus jener Zeit im Umgang mit Frauen schüchtern, ungewandt undehrerbietig war, also das Gegenteil von einem Don Juan. Er tatseinem Wesen Gewalt an; der von Natur Bescheidene wurde an-spruchsvoll und anmaßend; er drängte sich selbst vor, um es nur jaByron gleich zu tun. Ein großer Teil von Heines unliebenswürdigenZügen sind durch das Vorbild hervorgerufen, sie lagen nicht inihm, sondern er nahm sie an, um zu zeigen: „Seht, bin ich nichtgenau so wie Byron, gleiche ich nicht aufs Haar meinem groß-britannischen Vetter?" Selbst viele seiner damaligen Ausfälle gegenDeutschland und das Christentum wären vielleicht unterblieben,wenn ihm nicht der Hohn des Engländers auf das eigene Vater-land und seine Angriffe auf die Religion im „Giaour" als be-sonders geniale und daher nachahmenswerte Leistungen vorgeschwebthätten. Auch an seinem Übergang zur Politik und seiner Fluchtaus der Heimat ist Byron nicht unbeteiligt, obgleich Heine damalsschon erklärt hatte, daß er kein Nachbeter und Nachfrevler des edelnLords sei und daß er dessen Poesie nicht vertragen könne. Dasmag richtig sein. Aber es handelt sich nicht um den wirklichenByron mit seinem mehr deklamatorischen als innigen Versen, sondernum den Träger der europäischen Legende. Sie hat auf unfernDichter gewirkt, bis er selber bereit war, der Held dieser liberalenLegende zu werden.
Nimmt man an, daß Frau v. Hohenhausen den Dichter zuerst