Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
86
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IV. In der Hauptstadt

zu dem Urteil: „Der polnische Jude mit seinem schmutzigen Pelze,mit seinem bevölkerten Barte und Knoblauchgeruch und Gemauschelist mir immer noch lieber als mancher in all seiner staatspapiernenHerrlichkeit."

Der Aufsatz „über Polen" ist die erste politische (VII, 188ff.)Schrift Heines. Sie zeigt sein erwachendes Interesse für das öffentlicheLeben, das er in den „Berliner Briefen" über Theater- und Literatur-klatsch ganz vergessen hatte. Seine Kritik an den Zuständen in preußischPolen hat damals viel Widerspruch erregt, und sicher versetzte einkurzer Aufenthalt von wenigen Wochen im Haus eines befreundetenAristokraten einen jungen Mann ohne wirtschaftliche und politischeErfahrung nicht in die Lage, das polnische Problem in seiner ganzenBedeutung und Schwierigkeit zu erfassen, aber ebenso sicher ist,daß Heine mit guter Beobachtungsgabe manchen Mißgriff derDeutschen und der preußischen Verwaltung erkannt hat. Wenn er,der damals mitten in der jüdischen Bewegung stand und sich alsein Sohn der französischen Philosophie bezeichnete, dem preußischenMilitär das Lob erteilt, es sei in Posen „wie überall brav, wacker,höflich, treuherzig und ehrlich", so wird mau anerkennen, daß ersich nach besten Kräften bemüht hat, objektiv zu sein, und es istzu bedauern, daß von den Staatsbehörden nur der Zensor aufseine Ausführungen geachtet hat. Die Ereignisse der neuesten Zeithaben Heines Auffassung in vielen Stücken leider gerechtfertigt.Die Fehler, die in der Ostmark gemacht sind, rührten nicht vongestern, nicht aus der Kriegszeit, sondern waren ein Jahrhundertalt. Damals war es noch Zeit, andere Wege einzuschlagen.

Heine selbst legte wenig Wert auf die kleine Schrift. Er be-trachtete sie als einen flüchtigen Reisebericht, nicht als politischenAufsatz. Die Politik lag ihm noch fern, nur der Zufall der Reiseführte ihn auf ein politisches Gebiet, aber der Aufsatz zeigt dochein instinktives Behagen an der Erörterung öffentlicher Verhältnisse.Einstweilen dachte Heine an solche Dinge nicht, sondern wolltetrotz Hegel und trotz des „Vereins für Kultur und Wissenschaftdes Judentums" nur Dichter sein.