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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

mehr bieten konnte, daß es keine seiner Erwartungen erfüllte undnicht der Pfeiler wurde, auf dem er sein Leben und seine Dichtungaufbauen konnte. Diese Enttäuschung hat ihn mit furchtbarer Bitter-keit gegen das Christentum erfüllt. Er selbst schrieb 1823 seinemSchwager, daß seine Anhänglichkeit an das Judenwesen seine Wurzelbloß in einer tiefen Antipathie gegen das Christentum habe. Indieser Verstimmung hat er die schwersten Beschimpfungen gegendas Christentum und Deutschtum erhoben. Er schrieb an Sethe:„Alles was deutsch ist, ist mir zuwider. . . . Alles Deutsche wirktauf mich wie ein Brechpulver" und er verglich in einem Briefe anWohlwill die christliche Religion mit einer zertretenen Wanze, dieden armen Juden die Luft verpeste. Heine hat die schmählichenWorte sofort wieder durchgestrichen. Sie entsprachen nicht seinerÜberzeugung, so wenig wie die Ausfälle gegen Deutschland. Siesollen hier auch nicht stehen, um ihn anzuklagen, sondern alsZeugnis des Seelenzustandes, in den ihn der für ihn unmöglicheVersuch, zum Judentum zurückzukehren, versetzte. Es ist gewiß keinWunder, daß er schon nach wenigen Monaten im Besuch derVereinssitzungen lässig wurde, und wenn er sich in jedem Briefan die Freunde in starken Worten gegen den Vorwurf verwahrte, daßsein Interesse an der gemeinsamen Sache erkaltet sei, so beweistdas am besten, daß seine ganze Haltung eine derartige Verwahrungdringend nötig machte und daß er für ein unsicheres Mitglied ge-halten wurde. Wenn es das Ziel des Vereins war, das historischeJudentum mit der modernen Bildung zu versöhnen, so hat er beiseinem bedeutendsten Mitglied das Gegenteil erreicht und hat ihnin einen Konflikt zwischen dem Judentum und der modernen Bildunggestellt, die auf der christlich-deutschen Kultur beruht. Er hat demDichter wenig gegeben, aber viel genommen, vor allem das sichereGefühl, daß er trotz seiner Religion ein Deutscher sei und nachDeutschland gehöre. Er hat den Zweifel in seine Brust gesäet, obein Jude überhaupt ein deutscher Dichter sein könne, und er hatdurch diesen Zweifel die Unsicherheit und den Mangel an Traditionund Zielbewußtsein, mit denen Heine schon durch Geburt und Er-