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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

deshalb keine größere Leserschaft finden konnte, weil ihre Artikelebenso gelehrt wie schlecht stilisiert waren, man begann eine „Ge-schichte der Israeliten", die nicht über den ersten Band hinauskam,und man legte ein gewiß sehr gut geordnetes und materialreichesArchiv an. Das alles war wundervoll, aber es interessierte imGrunde doch nur die Mitarbeiter selber, die in der Akademie undder Zeitschrift eine gute Gelegenheit fanden, ihre wissenschaftlichenArbeiten zu veröffentlichen. Was nützte es, daß Gans über dieJudengesetzgebung im alten Rom, Zunz über die literas liguickasder hebräischen Sprache, Markus über den Gebranch der Be-schneidung in Abessinien sprach? Mit dieser Gelehrsamkeit war eine„Vermittlung des historischen Judentums und der modernen Wissen-schaft" nicht zu erreichen. Man kann es verstehen, daß die großeMasse der Israeliten an den Vorträgen kein Interesse nahm undsich gleichgültig gegen den Verein und seine Bestrebungen verhielt.Es gelang den Gans und Gefährten nicht, die eignen Glaubens-genossen aus ihrer Teilnahmlosigkeit aufzurütteln. Der Vereinbrachte es nicht über fünfzig Mitglieder in Berlin und etwazwanzig in Hamburg. Die reichen Juden versagten sich ihm völlig,und ans Mangel an Mitteln konnten selbst diejenigen Vereinspläne,die einen praktischen Zweck verfolgten, wie die Unterrichtsanstaltfür jüdische Knaben, keine große Wirksamkeit entfalten oder mußtenwie die Erziehung von jüdischen Handwerkern und Landwirtenganz aufgegeben werden. Heine urteilte später, der Verein habeeine große, aber unausführbare Idee verfolgt. „Geistbegabte undtiefherzige Männer versuchten hier die Rettung einer längst ver-lorenen Sache und es gelang ihnen höchstens, auf den Wahlstättender Vergangenheit die Gebeine der ältern Kämpfer aufzufinden.Die ganze Ausbeute jenes Vereins besteht in einigen historischenArbeiten." Dieses Urteil ist bitter und ungerecht. Der Verein hatsegensreiche Anregungen gegeben, aber die Mitglieder wollten undmußten ernten, da ihnen die Mittel zum Abwarten fehlten, kaumdaß der Acker bestellt war. Und dann fehlte es ihnen allen, mitAusnahme von Moses Moser an der Liebe, an der ausdauernden