Moses Mendelsohn
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blieb die Zahl der Eltern, die ihre Kinder auf christliche Schulenschickten, äußerst gering, und noch zu Beginn des 19. Jahrhundertswagte der Rabbiner in Posen, also in einer Stadt der preußischenMonarchie, einen Talmudschüler in den Bann zu tun, weil derNeuerungssüchtige darauf bestand, die deutsche Sprache zu erlernen.Die meisten Juden aber, denen es gelang, sich eine europäische Bildunganzueignen, schütteten das Kind mit dem Bade aus und wolltenvon ihren rückständigen Glaubensgenossen überhaupt nichts mehrwissen. Sie sagten sich entweder innerlich oder äußerlich durch dieTaufe vom Judentum los. Nur vereinzelte Menschenfreunde setztendas Werk Mendelssohns fort, indem sie Schulen stifteten, wo diejüdische Jugend in deutscher Sprache und deutscher Bildung er-zogen wurde.
Dieser Assimilierungsprozeß ging den Enthusiasten und Idealisten,die sich in dem „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden"zusammengefunden hatten, viel zu langsam. Sie empfanden dieRückständigkeit, die Erniedrigung und die Schmach ihres Volkeszu lebhaft, um die Heilung der allmählichen Entwicklung zu über-lassen. Sie wollten eingreifen und ihre Glaubensgenossen zu dergeistigen Höhe erheben, die sie selber erlangt hatten. Es war alsonicht die Absicht, den Juden mehr Rechte zu verschaffen, sondernsie zu bilden, und zwar so weit zu bilden, daß jeder Unterschiedzwischen ihnen und den Deutschen verwischt wurde, außer dem desreligiösen Bekenntnisses, den die Hegeljünger natürlich sehr niedrigeinschätzten. Durch den Sieg der Idee sollte die bisherige Scheide-wand eingerissen werden. An Begeisterung fehlte es den Gründernnicht, auch nicht an gutem Willen und Wissen, wohl aber anpraktischer Erfahrung und an dem praktischen Blick für das, wasdem damaligen Judentum nottat. Der Verein rief ein „wissen-schaftliches Institut" ins Leben, eine Akademie, in der Gans dieelegantesten Reden hielt, und er und die andern Hegelianer in ihrenVorträgen wissenschaftliche Fragen behandelten, die mit dem Juden-tum von 1820 kaum einen Zusammenhang besaßen. Man gründeteeine „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums", die schon