Briefe aus Berlin
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großen Gelehrten, die Berlin damals beherbergte, beschränkte sichauf eine dünne Oberschicht, der Alexander von Humboldts auf denHof, der Savignys auf katholische Kreise, Am meisten begehrt warendie Männer der Wissenschaft noch in den gebildeten und reichenjüdischen Familien, aber auch dort zog man ihnen Autoren, Dichter,Komponisten, Sänger, Violinvirtuosen und Klavierspieler vor, zumalsolche ausländischen Ursprungs.
Heine hat seine Berliner Eindrücke in „Briefen aus Berlin" (VII,186 ff.) geschildert, die 1822 erschienen sind. Erlauschtes und Erlebtes istdarin mit jugendlichem Humor gefällig zusammengestellt, Nachrichtenüber den Hof und die auswärtigen Gesandtschaften, Berichte überSchauspiel, Oper und Konzerte, über vornehme Restaurants undberühmte Künstler und Künstlerinnen, sowie Theater und Literatur-klatsch. Dazu einige versteckte Bosheiten und Sticheleien, Spottüber einen „teutschen" Jüngling, der in Berlin auf günstigen Bodenfiel, und bei allem Royalismus ein bißchen Opposition. Es istgenau das, was der königlich preußische Staatsbürger zu hörenwünschte und was er in seiner Zeitung, ob er nun die „Spenersche",die „Vosstsche" oder Gnbitz',, Gesellschafter" las, ungefähr ebensofand. Heine ahmte den damaligen Journalistenstil nach, die Zeitunghat ihm als Vorbild gedient, und wenn er die Zeitungsschreiberdurch guten Stil, Frische der Anschauung und Keckheit des Aus-drucks übertraf, so liegt es daran, daß der Neuling seine Kunstnoch mit Liebe, nicht nur des Erwerbes wegen betreibt. Er hatnoch Freude an seiner Tätigkeit, er interessiert sich selbst noch fürdie Dinge, für die er die Leser zu interessieren sucht. Darum schreibter frischer und anschaulicher als die routinierten Journalisten, aberin der Sache besteht kein Unterschied zwischen dem damaligenFeuilleton und seinen Briefen. Sie sind, wenn auch die Zensureinige kräftige Striche vornahm, ebenso harmlos und halten sichebenso an Her Oberstäche wie die gesamte damalige Presse. Der Ver-fasser ist von allem entzückt, von dem Opernball und der JagorschenKüche ebenso begeistert wie von den Hohenzollern. Über diese äußerter sich in schwärmerischer Weise. „Unser" König ist „eine schöne,