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Heinrich Heine
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IV. In der Hauptstadt

übrig. Es herrschte em partikularistischer Geist; man fühlte sich mehrals Preuße denn als Deutscher und hatte mit dem Wiederaufbaudes durch Krieg und feindliche Erpressung verarmten eignen Staats-wesens so viel zu tun, daß man sich weder ein Großdeutschtum nochsonst einen Luxus leisten konnte.

Das kam auch in den künstlerischen Bestrebungen zum Aus-druck. Die Pflege der bildenden Künste und der Architektur er-fordern Geldmittel, wie sie weder die Privatleute des damaligenBerlin besaßen, noch der karge Staat oder der sparsame Herrscheraufzubringen vermochten. Auch fehlte es trotz Rauch an Stil undTradition in der rasch zusammengewürfelten Stadt. Die Feldherru-denkmäler Friedrich Wilhelms III. sind der Ausdruck dieser Armutund Geschmacklosigkeit. Musik und Literatur stellten keine Ansprüchean den Geldbeutel. So begeisterte sich das damalige Berlin fürdas Theater, für den neuesten Roman und das neueste Gedicht.In der Gesellschaft wurde vorgelesen, wenn möglich von dem Autorselbst, und wenn man seiner nicht habhaft werden konnte, wie in denbescheideneren Bürgerkreisen, so besorgte es irgendein stimmbegabterJüngling. War die Deklamation vorüber, so wurde musiziert undgesungen. Jedes junge Mädchen spielte Klavier, es gehörte zumguten Ton, die Konzerte zu besuchen, und der Streit um denFrei-schütz" teilte Berlin, was keine politische Frage vermochte, in zweifeindliche Lager. Jede neue Aufführung sei es einer Oper, sei eseines Schauspieles wurde zu einem Ereignis von ungeheuersterWichtigkeit aufgebauscht, das tagelang von der Kritik in langatmigenAufsätzen besprochen wurde. Erfolgreiche Sänger und Mimen, be-sonders weiblichen Geschlechtes, wurden vergöttert, jeder kannte undgrüßte sie wie die Mitglieder des königlichen Hauses. Die Sontagsah die ganze Stadt zu ihren Füßen und der Wettbewerb zwischender Crelinger und der Stich fand bei Presse und Publikum eintausendfältiges Echo. Die Universität brachte wohl eine ernste Notein dieses oberflächliche gesellschaftliche Treiben, aber die Zeiten derNot, wo die ganze Stadt zu Uchtes Vorlesungen und zu Schleier-machers Predigten eilte, waren längst vorüber. Der Einfluß der