64 III. Auf der Universität
auf Anregung Schlegels, da dessen Bearbeitung des Euripideischen„Jon" ihm als stilistisches Borbild diente. Er mahnte auch denSchüler, seine Gedichte zu veröffentlichen, aber mit lyrischen Poesienhielt es schwer sich durchzusetzen, eher mochte es mit einem Dramagelingen. Mit großem Eifer nahm Heine den,, Almansor" in An-griff. Nicht einmal während der Ferien ging er nach Hause, sondernverbrachte sie in dem benachbarten rechtsrheinischen Beul, um anseiner Tragödie zu arbeiten. Sie wurde auch erheblich gefördert,aber nicht vollendet.
Das zweite Bonner Semester war nicht so erfreulich wie daserste. Gelegentlich klagte Heine sogar, daß er ein „trauriges,kränkelndes und einsames Leben" führe und von den alten Freunden,selbst von dem treuen Sethe vernachlässigt werde. Es mag sein,daß es sich dabei um mehr als eine vorübergehende Stimmunghandelte, es mag auch sein, daß der „Almansor" mit seinen deut-lichen Beziehungen auf die Hamburger Erlebnisse schmerzliche Er-innerungen aufwühlte; immerhin ist es erstaunlich, daß der Dichter sichschon nach einem Jahr zu einem Wechsel der Universität entschloß.Eine gewisse Unrast lag in seinem Charakter, er war keine seß-hafte Natur und brauchte Ortsveränderung und neue Dekorationen.Er fühlte auch, daß das juristische Studium in Bonn nicht zuseinem Rechte kam, so fleißig er nach Bescheinigung seiner Lehrerdie andern Kollegien besucht hatte. An sich selbst richtete er diehumoristische Mahnung:
Ochse, deutscher Jüngling, endlichreite deine Schwänze nach;einst bereust du, daß du schändlichhast vertändelt manchen Tag.
Zunächst besuchte er die Eltern. Es war das letzte Mal, daß ersein Vaterhaus in Düsseldorf sah. Die geschäftlichen VerhältnisseSamson Heines hatten sich sehr verschlechtert. Er gab bald denrheinischen Wohnsitz auf und siedelte sich in der Nähe Hamburgsan, offenbar um dem reichen Bruder näher zu sein, auf dessenFreigebigkeit und geschäftlichen Beistand er zählen durfte. Von