Die Romantik
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das Gute dabei, daß man sich wieder mit der deutschen Ver-gangenheit beschäftigte nnd daß man ihre literarischen Schätze ansLicht zog. Man sammelte Volkslieder, denn in diesen namenlosenund scheinbar formlosen Gesängen kam ja der göttliche Geist derDichtung am deutlichsten zum Ausdruck, man zeichnete die altenMärchen auf, die sich seit Generationen von Mund zu Mund fort-pflanzten, und man studierte die Sagen, die letzten Reste germanischenHeidentums. Die vergessenen Minnesänger wurden wieder gelesenund herausgegeben, und wenn man sich darüber stritt, ob das„Nibelungenlied" oder die „Ilms" größer sei, so spiegelt sichdarin nur der Wunsch, den Neuhellenismus durch ein nationalesKunstwerk aus dem Felde zu schlagen wie den Säulentempel durchden gotischen Dom oder Raphael durch Dürer. Die Romantik hatim Kampf gegen den Klassizismus das Nationalgefühl gefördertund zuerst, wenn auch nur auf künstlerischem Gebiet, den Stolzauf das Deutschtum geweckt.
Auf der andern Seite führte gerade diese Beschäftigung mitder Vergangenheit zur Jnternationalität, zur herrlichsten Weiter-bildung des Goethe-Herderschen Gedankens einer Weltliteratur. Manhatte Einblick in die Geschichte gewonnen und durch die verfeinerteund unbefangenere historische Betrachtung kam man in die Lage,fremde Eigenart mit größerem Verständnis aufzunehmen. Shake-speare und Calderon, Dante nnd Ariost wurden erst jetzt durchmehr oder weniger vollendete Übersetzungen Gemeingut der Ge-bildeten in Deutschland. Sie waren ja, zum mindesten durch ihrehistorische Stellung romantische Dichter und dadurch geeignet, dieTyrannei der hellenistischen Klassizisten zu brechen. Daß dieRomantik im Zeichen Shakespeares auftreten konnte, hat sie mehrgefördert als ihre gesamten eigenen Werke. Aber bei diesen Dichternließ man es nicht bewenden; bald kamen die Provenzalen an dieReihe, die Araber, die Perser und die alten Inder. Gewiß warder Gesichtspunkt, unter dem mau die älteren Literaturen betrachtete,falsch; man glaubte in jeder einzelnen die UrPoesie, die von jederForm befreite Emanation des dichtenden Weltgeistes zu finden.