Die Romantik
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Das Wesen der Romantik ist schwer zu erklären, sie bildet über-haupt keinen einheitlichen Begriff, sondern schillert in allen erdenk-lichen Farben, je nach all den Strömungen, die in diesem Wort zu-sammenlaufen. Die damalige Romantik ist national, indem sie dasDeutschtum gegen das Griechentum zur Geltung bringt; sie istinternational, indem sie Engländer und Spanier als Muster auf-stellt; sie ist demokratisch, indem sie das Volkslied erneuert, unddoch wieder aristokratisch, indem sie nur für den Künstler, den aus-erwählten Menschen, bestimmt ist und die Masse verachtet; sie istrevolutionär, indem sie außerhalb der Persönlichkeit kein Gesetz an-erkennt, und doch wieder autoritativ, indem sie sich vor allemhistorisch Gewordenen beugt; sie ist gläubig, indem sie sich in dieletzten Tiefen der katholischen Mystik versenkt, und doch wieder un-gläubig, indem sie die Religion nur als ein Spiel betrachtet. DieRomantik ist ein Produkt der Enttäuschung, auf politischem Ge-biet über das Fehlschlagen der französischen Revolution, auf philo-sophischem über das Versagen der Aufklärung, auf poetischem überdie Erstarrung des Klassizismus. Aus der Enttäuschung kam ihrdie Neigung, ans die Zeit vor dieser politischen und geistigen Um-wälzung zurückzugreifen.
Man kann grundsätzlich eine objektive und subjektive Welt-anschauung unterscheiden, je nachdem man von der Wahrheit desSubjekts oder des Objektes, des Geistes oder der Dinge, von derIdee oder der Realität, von Plato oder Aristoteles ausgeht. Mankann diese beiden Geistesrichtungen als klassisch und romantisch be-zeichnen, und dementsprechend eine klassisch objektive und romantischsubjektive Kunst unterscheiden. Aber weder kann die eine völlig desSubjekts, die andre völlig des Objekts entraten, weder kann dieeine ganz in den Gegenstünden, die andre ganz in der Empfindungaufgehen. Die grundsätzlichen Gegensätze der Philosophie werden inder Kunst zu relativen. Wir betrachten Goethe und Schiller alsKlassiker, und wir-sind überrascht, wenn sie von Ausländern unterdie Romantiker gerechnet werden; es kommt auf die jeweiligenGesichts- und Vergleichspunkte an, unter denen man sie betrachtet.