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Heinrich Heine
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III. Auf der Universität

So wird auch die deutsche Romantik am ehesten durch denGegensatz zu den voraufgehenden geistigen Strömungen verstündlich,dem Goethe-Schillerschen Klassizismus und der Aufklärung. Wassie nicht wollte, war zunächst viel klarer und wurde viel stärkerbetont als das, was sie wollte. Sie war mehr negativ als positiv.Sie wollte keine gegenständliche Kunst, die in der Darstellung derschönen Form aufging, und sie wollte keine Welt der Vernunft,nicht das entgötterte, mechanisierte Uhrwerk der Aufklärung. Dasbesagte ungefähr das Programm, das von den beiden BrüdernSchlegel 1798 im „Athenäum" veröffentlicht wurde und das dieGrundsätze der neuen romantischen Schule enthielt. Es sollte sichim Sinne seiner Verfasser nicht nur auf die Dichtung, nicht nurauf die Kunst, sondern auf das Leben selber beziehen, aber es wardoch rein literarisch. Die Kunst wurde als eine höhere Form desLebens betrachtet und das ganze Dasein sollte in diese höhere Sphäregerückt, also „poetisiert" werden. Damit war der Künstler zumHerrn der Welt erklärt und die gesamte Schöpfung war nur um desKünstlers willen da, um von ihm genossen zu werden. Dem Objektwar damit eine untergeordnete, dem Subjekt eine übergeordnete,ja die ausschließlich herrschende Stellung zugewiesen. Die Bedeutungdes Kunstwerks wurde stark herabgedrückt, es besaß nur insoweiteinen Wert, als es einen Teil der Künstlerseele in sich aufnahm.Die Stimmung des Künstlers bezeichnete Friedrich Schlegel alsReligion, und diese Art der Religion, dieses künstlerisch gesteigerteLebensgefühl, dieses nicht aus dem Verstand, sondern aus derTiefe des Gefühles quellende Streben nach Kunst und Wissenschaft,aber noch mehr nach dem Künstlertum und der künstlerischenSinnlichkeit sollte das gesamte Dasein durchdringen und die Weltwieder gläubig machen, d.h. aus dem verstandesmäßigen Rationalis-mus der Aufklärung erlösen.

Es ist bezeichnend für die Bewegung, daß sie nicht mit einemgroßen Kunstwerk einsetzte und durch ein solches ihr Lebensrechtund ihre Notwendigkeit erwies, sondern daß zwei Ästhetiker einProgramm entwarfen und Ziele aufstellten, denen die Dichter nach-