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III, Auf der Universität
Künstlern des In- und Auslandes bekannt oder gar befreundet.Er war eine europäische Berühmtheit, ja das kritische OrakelEuropas. Sein Wissen zeichnete sich weniger durch Tiefe aus undkonnte bei seinen überreichen und schnellwechselnden Interessen nichtimmer gründlich sein. Bald waren es die Griechen, bald dieItaliener und Spanier, bald das deutsche Mittelalter und dieEngländer, denen er sich zuwandte, aber durch seine intuitive Er-fassungsgabe wußte er überall das Wesentliche herauszufinden.Wohin er sah, sah er mit dem Auge des Entdeckers und erkanntein einem Augenblicke mehr als der fleißige Systematiker in Jahren.Seine Schriften bieten noch heute eine Fülle von Anregung undwirkten damals wie eine Offenbarung. Sein eigenes poetischesSchaffen war unbedeutend und wurde schon damals von kritischenGeistern niedrig eingeschätzt, desto größeren Beifall fanden seineÜbersetzungen von Shakespeare, Calderon und italienischen Dichtern.Mögen diese den heutigen Ansprüchen nicht mehr überall entsprechen,so wird es doch Schlegels höchster Ruhm bleiben, daß er demdeutschen Volke seinen Shakespeare geschenkt hat. Schon äußerlichunterschied er sich von den übrigen Professoren. Im Auftretenund in der Kleidung zeigte er sich als vornehmer Weltmann, nichtals Fachgelehrter. Er trug heute in Berlin, morgen in Wien oderParis vor, und wenn er den Ruf an die neubegründete rheinischeUniversität angenommen hatte, so gewann sie durch diesen Meisterder literarhistorischen Kritik sofort einen ungeahnten Weltruf.
Heine war nicht der einzige, der mit berechtigter Bewunderungzu Schlegel aufschaute. „Je öfter ich zu ihm komme," schrieb erau Beughem, „desto mehr finde ich, welch ein großer Kopf er istund daß man von ihm sagen kann:
Unsichtbare Grazien ihn umrauschen,
um neue Anmut von ihm zu erlauschen.
Dieser Lehrer besaß alles, was dem Schüler in seinen kühnstenTräumen vorschwebte. Er war Dichter, Literat und Historiker voneuropäischem Ruf. Wenn Heine schon bald den Wunsch hegte, derJuristerei abzusagen, so ist nicht seine Hinneigung zur Poesie und