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II. Im Kaufmamisstaiid
meines inneren Lebens." Genau so hätte Byron geschrieben, wenner statt der Schule von Harrow ein rheinisches Gymnasium besucht undstatt der französischen Aufklärungsliteratur die deutschen Romantikergelesen hätte.
Von nun ab bewegt sich Heines Liebe in den Formen undMotiven Byrons. Sein Gefühl wird literarisch unter dem Themader unrettbar verlorenen, einmaligen großen Liebe. Diese Liebemacht ihn namenlos elend, sie drängt ihn aus dem Kreis derGlücklichen, sie verfolgt ihn mit drückenden Träumen bis in seineschlaflosen Nächte. Aber er ist zu stolz, seinen Schmerz zu äußern,nur die bleiche Wange und die zuckende Lippe verraten ihn sowiedas Lied, das die Überfülle des Wehs ihm abringt. Er wirft sichlieber einer Dirne in die Arme und sucht dort Vergessenheit, alsdaß er der Geliebten sein Leid gesteht. Sie hat ihn verraten, siehat sich von ihren Angehörigen einen andern Mann aufschwatzenlassen. Aber auch sie ist elend geworden, so elend wie er. Am Taggehen sie kalt aneinander vorüber und verhöhnen ihr eignes Unglück,aber des Nachts begegnen sie sich im Traum und gestehen sichLeiden, deren Größe keine Phantasie ermessen kann. Heine liebt inden Motiven Byrons, aber deshalb ist seine Empfindung wederunaufrichtig, noch erkünstelt, noch „nur Literatur". Jede Zeit deuktund fühlt in überkommenen Vorstellungen, selbst Romeo liebt, wieer es von Petrarka gelernt hat. Heine hat später den EinflußByrons klar erkannt und da er darin eine persönliche Abhängigkeitund einen Mangel an eigner Originalität sah, gegen ihn an-gekämpft. Es war ein vergebliches Beginnen, denn es handelt sichum keine Nachahmung, die man vornehmen oder unterlassen kann,sondern aus Byron spricht die Sprache des Jahrhunderts, undHeine muß sie wiederholen, weil er demselben Jahrhundert an-gehört. Die Byronstimmung ist die Grundlage seiner gesamten Lyrik.
In der Wirklichkeit bestand zwischen den Menschen Byron undHeine kaum eine Ähnlichkeit. Der eine ist der Sohn eines englischenPeers, der andre eines jüdischen Handelsmanns, der Engländer ist einBild körperlicher Kraft und Schönheit, der Deutsche ist klein, leidend