Abschied von Hamburg
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und schwächlich; der eine ist mit zwanzig Jahren Mitglied desOberhauses, der andre Chef eines Kommissionsgeschäftes, Byronist Willensmensch, immer aktiv, immer bemüht, Herr seines Schick-sals zu bleiben, Heine ist Passiv, er laviert mit den Verhältnissenund läßt sich treiben; Byron ist deklamatorisch, Heine gefühlvoll.Zweifellos ist jener die stärkere und sympathischere Persönlichkeit,aber der reichere Dichter ist Heine.
Mit der Byronstimmung im Herzen konnte der Dichter un-möglich sein bisheriges Hamburger Leben weiterführen. Es warausgeschlossen, daß er unter diesen Umständen sein kleines Handels-geschäft fortsetzte. Auch die Beziehungen zu den Verwandten hattensich, selbst wenn es nicht zu einem erfolglosen Heiratsantrag unddamit zu einem offenen Bruch gekommen sein sollte, so gestaltet,daß allen Teilen eine Änderung und Trennung nur erwünscht seinkonnte. Aus diesem Grunde zeigte sich Solomon Heine bereit, demNeffen die Mittel zum Besuch der Universität zu gewähren. Ersollte Jura studieren und sich nach Beendigung des Studiums alsRechtsanwalt in Hamburg niederlassen. Das bedingte zwar seinenÜbertritt zum Christentum, doch das erregte offenbar bei keinemder Beteiligten Bedenken und wurde von allen als Mittel zumZweck gleichgültig in den Kauf genommen. Ob Heine sich dasRechtsstudium nach eigener Neigung erwählte oder ob es ihm vondem Onkel einfach diktiert wurde, wissen wir nicht; er mochte frohsein, daß er den Kontorbock mit der Universität, den Zwangmit der Freiheit vertauschen konnte, ohne sich um die Fakultät vielzu kümmern. So gern er Hamburg verließ, so verlockend mochteihm eine Wiederkehr in nicht allzu ferner Zeit im Besitz des aka-demischen Grades sein. Es scheint, daß er sich damals noch nichtzu einem Verzicht auf Amalie durchgerungen hatte, sondern nochimmer auf eine Sinnesänderung ihrerseits rechnete. Vielleicht gelangdem vootor juris, dem ersten aus der Heineschen Familie, derstudierte, was dem Chef der Firma „Harry Heine Ä Co." miß-lungen war. So verließ er im Sommer 1819 Hamburg wenigerunglücklich, als nach den Ereignissen zu erwarten gewesen wäre.