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Heinrich Heine
Entstehung
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II. Im Kaufmannsstand

abhängigkeit und die Sorglosigkeit, die er brauchte. Die Verbin-dung mit ihr erlaubte ihm, ein Dichter zu werden.

Es war ihm damals gelungen, einige seiner Gedichte druckenzu lassen. Eine ZeitschriftHamburgs Wächter" brachte sie imFebruar und März 1819 unter dem grotesken deutschtümelndenPseudonymSy. Freudhold Riesenharf", einem Anagramm vonHarry Heine, Düsseldorf. Die Maske war notwendig, denn einenCommis, der offenkundig Verse machte und sie noch dazu in einerden Juden wenig wohlgesinnten Zeitung veröffentlichte, hätte OnkelSalomon nicht in seinem Geschäft geduldet. Es ist aber bezeichnend,daß der junge Heine gerade zu diesem Blatte Fühlung besaß; dasJudentum war ihm noch völlig gleichgültig. Es ist nicht bekannt,ob diese Gedichte irgendwie Aufmerksamkeit und Zustimmung er-regten, immerhin der erste Schritt in die Öffentlichkeit war getan.Der Ehrgeiz des Verfassers, sich als Dichter durchzusetzen, warerwacht, und je mehr er sich als solcher fühlte, um so gleichgültigermußte ihm sein kaufmännischer Beruf werden. Er konnte ihnhöchstens noch als Mittel zum Zweck schätzen, als die lästige Ar-beit, die dem Künstler den Unterhalt lieferte, um in der Kunstein zweites Leben zu führen. Es war ein Joch, das er durcheine Verbindung mit Amalie abschütteln konnte. Die Liebe sollteihn aus der Fron des Alltages befreien, sie sollte die Fesseln desGenius lösen und ihm den Weg zur Freiheit und zum Ruhmebahnen. Es war gewiß ein Traum, der den Jüngling begeisternkonnte, und dieser Traum zerrann an der Abneigung der schönenCousine. Es ist begreiflich, daß der Mißerfolg den jungen Dichtererbitterte.

In dieser geistigen Verfassung lernte Heine Byrons Poesienkennen. Es wäre möglich, daß er sie schon früher gelesen, aber erstjetzt machten sie einen nachhaltigen Eindruck auf ihn. Die Byron-begeisterung in Deutschland hatte damals den Höhepunkt erreicht.Selbst ein nüchterner Mensch wie Börne schrieb:Ich gäbe alleFreuden meines Lebens für ein Jahr von Byrons Schmerzen hin!"Der Lord war der Abgott der Frauen, und es ist kein Zufall,