28
II. Im Kaufmannsstand
sein seiner Selbständigkeit offen mit seiner Werbung nm Amaliehervortrat und daß ihre Ablehnung zu einem Zerwürfnis mit derFamilie des Onkels führte. Unter diesen Umständen lag wederdiesem noch dem Dichter an der Fortsetzung der geschäftlichen Ver-bindung, die langsam aufgelöst wurde. Es ist begreiflich, daß dieseEreignisse eine heftige Empörung in der Brust des Zurückgewiesenenhervorriefen. Sein ganzes bisheriges Leben erschien ihm schal undekel, und sein Widerwille richtete sich in gleicher Weise gegen denKaufmannstand, gegen die Stadt Hamburg und gegen den Onkel.
Solomon Heine hat von allen Menschen den größten Einflußauf das Schicksal des Dichters ausgeübt. Er war im Grunde ge-nommen ein gutmütiger Polterer, mit dem auszukommen war,wenn man seinen Schwächen und seiner Eitelkeit Rechnung trug.Vollständig ungebildet und allen geistigen Gütern fremd, wußte ernur das Geld zu schätzen, und da es ihm in kürzester Zeit ge-lungen war, einen erstaunlichen Reichtum zusammenzubringen, sohatte er vor sich selbst als dem Schöpfer dieser Schätze die größteHochachtung und verlangte sie auch von andern, besonders von seinenärmeren und von ihm abhängigen Verwandten. Er war kein Geiz-hals, er klebte nicht am Geld, sondern gab mit offenen Händen.In erster Linie an seine bedürftigen Glaubensgenossen, doch warer religiös weder so überzeugt, noch so befangen, daß er Nichtjudenvon seiner Wohltätigkeit ausschloß. Aber was er tat, wollte er an-erkannt wissen; so hatte selbst sein Schenken häufig einen Charakter,der den Beschenkten mehr verletzte als beglückte. Vom Kassenbotenhatte er sich zu einem der reichsten und angesehensten Kaufherrn derStadt emporgearbeitet, vor dem selbst die zurückhaltenden Senatorenden Hut zogen. Sein Geld überwand alle Schranken, die denärmeren Juden gezogen waren. Durch den raschen Erfolg wurdeaus dem Unterdrückten ein Unterdrücker, der andere gern seineMacht fühlen ließ und mit einem grimmigen, aber nicht bösartigenHumor zusah, wie sie an einer Angel zappelten. Er hat seinenNeffen in seiner Art gern gehabt und an dessen dreistem und keckemWesen Gefallen gefunden, aber der Dichter wußte sich nicht auf