Freundschaften
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Heine, wenn dieser wegen seiner spöttischen Reden von den mehrschlag- als zungenfertigen Altersgenossen zu stark bedrängt wurde.Seine Neigung zu Spott machte sich frühzeitig geltend und siescheint ihn auch zuerst zum Gebrauch von Vers und Reim geführtzu haben. Eine „Wünnebergiade", ein längeres Spottgedicht aufeinen Mitschüler des Lyzeums namens Wünneberg, ist uns alserstes Gedicht Heines, wenn man von einem kindischen Gereimselzum Hochzeitstage der Eltern absieht, erhalten. Es mag aus derZeit 1812/13 stammen und ist für das Alter eine recht hübscheLeistung, allerdings keine, die nicht auch ein andrer formgewandterDilettant von sechzehn Jahren zustande gebracht hätte. Man kannnicht sagen, daß sich der große Dichter in diesem komischen Helden-epos ankündigt. Die anderen Künste standen ihm in seiner Jugendziemlich fern. In dem Zeichenunterrichte bei dem Bruder des großenMalers Cornelius leistete er nichts Besonderes, wenn auch seinSinn für die Form dadurch geweckt wurde und sein Auge sichan die Kunst des Sehens gewöhnte, deren der Dichter so gut wieder bildende Künstler bedarf. Die Mutter hat ihn auch mit Privat-unterricht in Musik und Tanzen gequält, aber für das letzterefehlte ihm jede Begabung und seine musikalischen Anlagen verstandder ungeschickte Violinlehrer nicht auszunutzen und anzuregen. DieseStudien fanden infolge der Unlust und des Mutwillens des Schülerseinen frühzeitigen, jähen Abschluß, wenn es auch sicher nicht wahrist, daß er den unglücklichen Tanzmeister aus dem Fenster geworfenhabe. Diese Anekdote ist ein uraltes literarisches Motiv, und nachallem, was wir von Heine wissen, lag ihm nach seiner physischenwie seelischen Veranlagung eine derartige Gewalttat ganz fern.
^ Er war ein kleiner, schwächlicher Knabe von zarter Konstitution.Zwar scheint er in seiner Jugend von jeder schweren Krankheitverschont geblieben zu sein, aber das entsetzliche Leiden, dem erspäter erliegen sollte, kündigte sich schon frühzeitig in einer außer-gewöhnlichen Reizbarkeit und häufigen Kopfschmerzen an. Die Me-diziner, die sich nachträglich mit dem Wesen seiner Krankheit be-schäftigt haben, lassen uns kaum einen Zweifel, daß diese nicht
Wolff, Heine 2