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Heinrich Heine
Entstehung
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I. Kindheit und Erziehung

durch ein ausschweifendes Leben erworben war, sondern auf einerererbten Anlage beruhte. Dieses Ergebnis des Arztes muß derBiograph anerkennen, er muß damit rechnen, daß der Dichterniemals im völligen Besitz seiner körperlichen Gesundheit war unddurch diesen Mangel häufig in seinen Entschlüssen bestimmt undgehemmt wurde. Aber darüber hinaus kann er dem Medizinernicht folgen, der von seinem Standpunkt vielleicht mit Rechtgeneigt ist, Heine als pathologisch hinzustellen. Wäre das der Fall,so müßte ein Arzt und kein Literarhistoriker sein Leben beschreiben,seine Biographie gehörte in ein Krankenjournal, nicht in die deutscheLiteraturgeschichte. Wir müssen mit einem Heine rechnen, der fürsein Tun und Lassen voll verantwortlich ist. Und damit treffenwir seine eigene Auffassung. Er war von der Überlegenheit desGeistes über den Körper überzeugt, und es ist die Geschichte diesesGeistes, die wir zu schreiben haben.

- Diese Nervosität, dieses heftige Reagieren auf jeden äußernoder innern Anreiz, gehört zum Wesen dieses Geistes. Sie ist eineEigenschaft des modernen Menschen überhaupt, besonders aber desGroßstädters, und damit auch des Juden, denn der Jude ist, wohlweniger durch Neigung als durch den Zwang der Jahrhunderte,ausschließlich städtisch veranlagt. Nervosität ist das Erzeugnis desengen Zusammenlebens, der rasch wechselnden Eindrücke, von denenkeiner zum ruhigen Ablauf gelangt, sondern jeder durch einen neuenverdrängt wird. Düsseldorf zählte zwar damals kaum mehr als70008000 Einwohner, war also nach heutigen Begriffen von einerGroßstadt weit entfernt, aber dem Handelsmann kehrte es nur diestädtische Seite zu. Er ist nur mit dem Markt, dem Menschen-getriebe und dem Geschäft organisch verbunden, nicht mit der Natur,die für ihn, ob, er sie nun durch einen Spaziergang vor das Toroder durch eine Schnellzugsfahrt in die Schweiz erreicht, immer nureine Unterbrechung seiner Rastlosigkeit und eine Erhebung in einenverlornen Glückszustand darstellt. Heine ist der Dichter der Groß-stadt. Es sind städtische Eindrücke, die auf die Seele des Knabenwirken. Feld, Wald und Wiese sind für ihn keine notwendigen