Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
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8 I. Kindheit und Erziehung

ließ. Seine Regierung dauerte nicht lange. Zum Dank für dieihm von Napoleon aufgesetzte bayerische Königskrone trat er dasBergische Land an Frankreich ab, das mit den gleichfalls ab-getretenen preußischen Besitzungen auf dem rechten Rheinufer zu einemneuen Großherzogtum Berg unter Napoleons Schwager JoachimMurat vereinigt wurde. Doch auch dieser Zustand war nicht vonDauer. Nach zwei Jahren wurde Murat zum König von Neapelerhoben, Napoleon selbst übernahm die Verwaltung des Groß-herzogtums, wenn er sie auch nominell für den eigentlichen Souverän,seinen Neffen Napoleon Ludwig, den Kronprinzen von Holland,ausübte. Erst nach der Schlacht bei Leipzig im November 1813verließen die Franzosen die rheinischen Gebiete, die durch die WienerKongreßakte der preußischen Monarchie einverleibt wurden.

- Die französische Herrschaft in Düsseldorf hat mit einer kurzenUnterbrechung achtzehn Jahre gedauert. Sie wurde von der großenMehrheit der Bevölkerung nicht bitter empfunden. Ein deutschesNationalgefühl gab es damals noch nicht, und die weltbürgerlichenIdeen, mit denen die Aufklärung die Köpfe berauscht hatte, ver-hinderten gerade die besten, das Schmachvolle der Fremdherrschaftzu erkennen. In zahlreichen Städten des Rheins kam man denSiegern mit offenen Armen entgegen und feierte mit ihnen imZeichen ihrer Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit begeisterte Ver-brüderungsfeste. Das damalige Deutschland, dieses jammervollerömische Reich, das weder leben noch sterben konnte, war gewiß keinLand, um die Herzen seiner Söhne zu entflammen. Die Franzosenerschienen allgemein als die Träger des ersehnten Fortschrittes,den man aus eigner Kraft nicht erreichen konnte. Auch materiellgewann das Rheinland durch ihre demokratische Gesetzgebung, be-sonders durch die Aufhebung der Leibeigenschaft und der Zehnten,durch Beseitigung der Lehnswirtschaft und aller Standesunterschiede,die zwischen Adeligen, Bürgern und Bauern noch bestanden, so-wie durch die Vernichtung der gerade am Rhein besonders ent-wickelten Kleinstaaterei. Der Fall der unzähligen sinnlosen Zoll-schranken und die Zusammenfassung zu einem einheitlichen Wirt-