Stellung der Juden
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eine Religion, Die Familie war jüdisch, sie machte die vorgeschriebenenRiten und Gebräuche mit, aber das Verständnis für die innereWahrheit dieser Äußerlichkeiten war ihr längst verloren gegangen.
Die Zahl der Düsseldorfer Juden und ihre wirtschaftliche Bedeutungwar gering, infolgedessen wurden sie von der Bevölkerung wedergehaßt noch gefürchtet. Ihre Stellung war für die damalige Zeitgünstig, die Regierung des Bergischen Landes kam ihnen weit ent-gegen und eröffnete ihnen alle vorhandenen Schulen und Bildungs-mittel. Aber dieser Segen wurde zum mindesten der ersten Generationin vieler Beziehung zum Unsegen. Er nahm ihr den festen Halt,den ihr das Ghetto bis dahin geboten, sie wurde aus dem Rahmendes eigenen Volkstums herausgerissen, ohne in dem Deutschtumeine neue Wurzel zu finden. Diese Juden sind wie der Flug-sand, den der Wind bald hier, bald dorthin trägt, nicht voninnern Kräften, sondern von äußern Zufälligkeiten abhängig. DiesesUnorganische ist es, das Heines EntWickelung entscheidend beeinflußthat. Sein Glaubensgenosse Börne hat noch die Unterdrückung derFrankfurter Judengasse durchgemacht und sie hat ihm den Charakteraufgeprägt. Heine hat in Düsseldorf weder die Leiden des Juden-tums, noch das Glück der Zugehörigkeit zu einem eignen Volks-tum empfunden. Er war ein Fremdling, ein Einzelner, verloren inder Masse, und darum ohne den innern und äußern Halt, den nurder Anschluß an eine große und starke Gemeinschaft geben kann.
Nur aus dem Mangel einer jeden Tradition läßt sich daszwiespältige Wesen des Dichters verstehen, und dieser Mangel wurdeverstärkt durch zwei wesentliche Faktoren, durch die politischen Ver-hältnisse seiner Vaterstadt und durch die Erziehung, die er genoß.
. Die Stadt Düsseldorf bildete damals die Hauptstadt des Herzog-tums Jülisch-Berg, aber schon 1795 war sie von den französischenRevolutionsheeren besetzt worden, die erst nach dem Frieden vonLuneville 1891 wieder abzogen. Unterdessen war der verdiente undaufgeklärte Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz 1799 gestorben,ihm folgte Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken, der das Herzog-tum durch verschiedene, nicht untüchtige Stellvertreter verwalten