Der Vater Z
Posten die besondere Gunst des Herzogs von Cumberland erworbenhabe, ja unwahrscheinlich, daß er ihn überhaupt persönlich kennengelernt hat. Eine Vorliebe für Theaterdamen, Pferde und Hundemag Samson besessen haben, aber als Düsseldorfer Kleinhändlerwar er sicher nicht in der Lage, diesen nobeln Passionen zu frönen,und wenn er wirklich einmal zwölf Pferde im Stall gehabt hat,so ist das nur möglich, wenn er zeitweilig neben dem Tuchgeschäftden Pferdehandel ausübte. Soweit wir über Samson Heine urteilenkönnen, war er ein gutmütiger, aber seichter und eitler Mensch,dessen größte Sorge selbst in seinen reifen Mannesjahren die Pflegeseines hübschen Äußeren war, der gern in der bunten Uniform derDüsseldorfer Bürgerwehr über die Straßen tänzelte und sein Lebenin allerlei zwecklosen Nichtigkeiten zersplitterte. Alle höheren Inter-essen gingen dem liebenswürdigen Egoisten und Optimisten ab, erlebte in den Tag hinein ohne Religion, ohne Sinn für Kunst undohne Vaterlandsgefühl. Er schimpfte auf Goethe, dessen Konkurrenzseinem Sohne das poetische Geschäft erschwere, und er schwärmtefür Napoleon, den Messias der Juden, dessen Soldaten die vonihm aus England bezogenen Stoffe trugen. Heine bezeichnet seinenVater als ein liebenswürdiges Kind, und damit hat er, wenn auchin einem weniger günstigen Sinn, als der Ausdruck von ihm ge-meint ist, das Richtige getroffen. Samson bedurfte dringend derLeitung durch feine energische Frau.
Auch über die Mutter des Dichters finden sich in den Bio-graphien übertrieben günstige Angaben, die zum großen Teil aufMitteilungen ihres Sohnes fußen. Zwei Jugendbriefe Bettys finduns erhalten. Sie zeigen einen gewandten Ausdruck und ein ge-wisses Maß von angelernten Kenntnissen, aber sie rechtfertigen dieAnnahme nicht, daß sie die Studien ihres Bruders geteilt, Lateinisch,Englisch und Französisch beherrscht habe, eine Schülerin Rousseaus,eine verständnisvolle Verehrerin Goethes sowie eine künstlerisch aus-gebildete Flötenspielerin gewesen sei. Mit dieser angeblichen hohen Bil-dung wäre schwer in Einklang zu bringen, daß sie die deutsche Sprachenur sehr mangelhaft beherrschte und statt der deutscheu Buchstaben
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