Druckschrift 
1,2 (1806)
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

» «45

XI.IV.

Meine Gedanken über Psalm 88.

A)cnn man diesen höchst traurigen Psalm, derzar keinen Licht- und Trostesstral durchblicken laßt,in Gedanken mit dem 77, derein Gedicht Asaphsiß, in Vergleich stellt, so wird man fast versuchtzu glauben, daß derselbe ein*) Fragmentvoneinem größern Gedichte sey. Denke ich aber angewisse höchst traurige Lagen wahrer Kinder Got-tes, wo nebst einem unerträglichen leiblichen Elendzugleich auch eine innere Finsterniß oder ein Standder geistlichen Verlassung über ste zur Prüfungkommt: so bcgreiffe ich, daß ein Stück, welcheskiesen kläglichen Zustand beschreibt, gerade so trost-los bis zum Ende laufen müße, wie unser Psalmlhut. Klagte doch auch unser Erlöser— freyiichals Mittler der Menschen — einst: Mein Gott,mein Gott, warumhast du mich verlassen? als erdie drcy bange Stunden völlig trostlos war. Wieauch der Prophet Ies. 50, io. von einem Gottes-furcht!-

D *) Dis ist der Gedanke des gelehrten Müntjnghe. —Mir komnus anders vor, daher ich nieincn Begriff zurPrüfung vorlege.—Das (7^ heißt, wie Eichhorn zuSimonis bemerkt, sowol insgemein singen, (wiedas Arabisches als auch Chorweise singen, sodaß hieraus eben nichts zu beweisen ftp» dürste.