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2 (1838)
Entstehung
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nen." Daher in höhern Ständen so viel Unglauben mit Gewis-senlosigkeit verbunden; in untern Ständen Neligionsschwärmereimit Unsittlichkeit gepaart.

Ich rede hier wahrlich keineswegs vom Kanton Zürich oderder Schweiz allein. Beim Schweizervolke gehören die Gefahrendes Unglaubens noch zu den Seltenheiten; aber nicht so seltensind die Verirrungen religiöser Schwärmerei. Unglaube, nichtaber religiöser, sondern kirchlicher, wird in der Schweiz am mei-sten in den katholischen Gegenden, hingegen Religionsschwärmerei mei-stens in den protestantischen Gegenden wahrgenommen. Diese letzterekann eben sowohl, als die Gewissenlosigkeit der Irreligiosität,zu den empörendsten Verbrechen verführen. Davon zeugte nochim Jahre 1823 ein schauderhaftes Ereigniß im Kanton Zürich.

Es hatten sich, wie in andern Theilen des Landes, auch inder Umgegend des Marktfleckens Andelfingen, durch mittel-baren oder unmittelbaren Einfluß der bekannten Frau vonKrudener und eines gewissen Pfarrvikars Ganz, (beide ausdem Kanton Aargau weggewiesen) mystischfrömmlerische, religiöseEinbildungen verbreitet; religiöse Grundsätze kann man sie nichtnennen. Von denselben ward auch die Familie eines begütertenLandmannes, Namens Peter, in dem einsam gelegnen DörfleinWildensbuch bethört. Peter, schon ein Greis von mehr dennsiebenzig Jahren, hatte sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töch-ter, von denen die jüngste Margarethe, neun und zwanzigJahr zählte und unverheirathet war. Talentvoll, aber bildungsarm,reizbar und von lebhafter Einbildungskraft, war sie, im Schul -und Religionsunterricht, schon als ein Kind, vor allen ihrenGespielen ausgezeichnet; späterhin durch aufrichtige, innige Fröm-migkeit. Bewegt von dieser ward sie zu den Bruderversammlungender Pietisten undErleuchteten" hingezogen, in denen sie balddurch seltne Kenntniß der heiligen Schriften, durch begeistertesWesen und Ringen nach Heiligung des Gemüthes, Aufsehen undBewunderung erregte. Sie galt als Musterbild frommer Ge-müthlichkeit. Die vier und zwanzigjährige Jungfrau gewann bei-nah apostolisches Ausehen. Selbstverläugnung, Ertödtung irdischerBegierden, eheloses, keusches Leben waren die Hauptgegenstände,welche sie zur Einswerdung mit Gott in Andachtsstunden empfahl,die von erweckten Gläubigen zahlreich besucht wurden. Marga-rethe glänzte unter diesen Erweckten, wie eine Heilige. Sieempfieng selbst Besuche aus entfernter« Gegenden, und unterhieltVerbindung mit denAuserwählten" im Kanton Zürich, eben so