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im Thurgau, in Schaffhausen und Basel. Sie machte Reisen zuihnen. Es konnte nicht fehlen, daß sie endlich auch in der eignenFamilie, der sich ihre Schwärmerei mittheilte, als höheres vonGott auserkorenes Wesen angesehen wurde. Geschwister und Vaterergaben sich gläubig und gehorsam ihrem Willen hin.
Das höhere Wesen blieb jedoch immer ein Mädchen, gegendie Verehrungen und Schmeicheleien ihrer Anhänger nicht unem-pfindlich. Bei aller Schwärmerei konnte sie den Anfechtungen derEitelkeit unmöglich widerstehen. Aber es scheint, auch Heilige habenihre schwache Stunden. Böse Zungen der Weltkinder verbreiteten,im Jahr 1821 sogar ein nicht ganz unwahrscheinliches Gericht,sie sei von einem Besuch der Frommen in Basel nicht mehr injungfräulichen Umständen zurückgekehrt. Gewiß aber ist, daß sie,etwa ein Jahr später, lange Zeit bei einem ihrer geistlichenFreunde, dem Schuster Mors in Ober-Jllnau wohnte, vonwelchem sie verkündete, er werde mit ihr, wie He noch undElias, auf einem Strahlenwageu, lebendig gen Himmel fahren.Aus der Himmelfahrt freilich ward nichts, weil der Wagen nichtankam; statt dessen aber wurde sie, in den Entzückungen ihrerSchwärmerei, zugleich Verführerin und Verführte, und Muttereines Kindes vom frommen Mors, dessen Gattin nichts weniger,als mit solcher Gnadenwirkung, zufrieden war. Der Beredsam-keit Margarethens und ihrer geistlichen Autorität kam aber derVerblendung und fanatischen Leichtgläubigkeit der Andächtigendieses Hauses gleich. Des Schusters Weib spielte bußfertig dieRolle der Wöchnerin und das Kind ward, als ihr eigenes, getauft,um Margarethen nicht zum Spott der Weltmenschen zu machen.Margarethe kehrte in das väterliche Haus nach Wildensbuchzurück. Ihr Heiligenstolz zitterte von da an unaufhörlich vor mög-licher Entdeckung des Fehltritts zu Jllnau; ihr religiöser Wahnsinnbrütete über dem Gedanken, großartig ihre und aller Welt Sündennunmehr abzubüßen.
Eines Morgens (am 15. März 1823) versammelte sie Vater,Bruder, Schwestern, alle Hausgenossen um sich, zwölf an derZahl, sie mitgerechnet. Sie verkündete: „der Tag ist gekommen,wo zur Rettung vieler tausend Seelen Blut vergossen werden soll.So verlieret nun keine Zeit, daß der Satan nicht Meister werdetSie gebot Allen, sich mit Fäusten und Werkzeugen blutig zu schla-gen , und gab das Beispiel an sich selber. Die Raserei der Büssendenstieg mit jedem Augenblick. Eine der Schwestern Margarethenssank sterbend unter Schlägen zu Boden. Die wahnsinnige Ober-