Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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Aristokratie, an den Rechten des Volks wieder zu verkümmern be-gann, stellte der Tag von Uster, der 22. November 1830, voll-ständig wieder her. Uster ist ein stattlicher Marktflecken ohnweitdem Städtlein Greifensee, in anmuthiger Landschaft, zwischenBächen, Wiesen und kleinen Seen, am Fuß einer beinah tau-sendjährigen Burg. Hier war's, wo sich an jenem Tage über10,000 Bürger des Landes versammelten, und an die Regierungihre Bitte um Reform der Staatsverfassung und billigere Reprä-sentation des Landes in der Gesetzgebung richteten. Noch standder edle Paul Usteri am Staa.tsruder, ein weitblickenderundgerechter Mann. Er stand unerschü^tert zwischen den entgegenge-setzten Partheien und Stürmen, lenkte beide mit starker Handzum Heil des Vaterlandes zusammen, und gründete dessen neuesGlück.

- Seitdem nahm der öffentliche Wohlstand mit verjüngter Krafteinen Aufschwung, der hin und wieder ans Wunderhafte gränzt.Eine musterhafte Staatsverwaltung verbessert fort und fort dieFehler der ehemaligen. Gesteigerte Volksbildung und der Blickauf die Wirklichkeit, zerstört die weiland gepriesenen politischenund administrativen Vorurtheile; und jene zwieträchtige Eisersuchtzwischen Stadt und Land, welche seit Jahrhunderten verderben-ooll gewirkt hat, ist in der Gleichheit staatsbürgerlicher Rechtebeider schon erloschen. Zürich selbst, welches einst beim Verlustseiner Hoheitlichkeit, für die eigne Zukunft zitterte, erkennt,im Glanz seines jetzigen Emporhebens und frischen Lebens, denungeheuern Gewinn, welchen es mit dem Opfer seiner kleinlichenVorrechte erworben hat.

Als sich Göthe im Jahr 1797 in Stäfa aufhielt, schrieber von diesem Dorfe:Es gibt von der schönsten und höchstenKul-tur einen reizenden und idealen Begriff." Er dachte vermuthlich abernur an die Kultur des Bodens , an die Weinberge, Felder, Gärtenund Obstanlagen, welche, im sorgfältigsten Anbau, das Augeschmeichelnd, sich zwischen Häusergruppen längs dem See aus-breiten. Heutiges Tages beobachtet der Wandrer die Entfaltungeiner Kultur höherer Art, und wie hier, auch in andern Gegen-den des Landes. Er sieht längs dem See mit dem Landlebenstädtische Sitte und Bequemlichkeit vermählt, Privatbibliotheken,Lesegesellschaften, Familientheater, Kunstfreunde, Künstler, Er-ziehungsanstalten, Bäder, Buchdruckereien, Sängervereine, Con-certe, Manufakturen und Fabriken manigfaltiger Art u. s. w.