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Amts- oder Geldftolz der Stadtnotabilitäten zu mildern, Regie-rende und Regierte einander näher zu führen und zu befreunden,und überhaupt bürgerliche Eintracht zu fördern. In Zürich viel-leicht mehr, als in irgend einer andern Schweizerftadt, scheint es,mit den herkömmlichen Uebungen und Bräuchen, darauf abgesehn,die Einwohnerfamilien aufs engste und dauerhafteste zusammenzu-ziehn. Die gesammte bürgerliche Bevölkerung erscheint gleichsamwie eine Conföderation unter sich verketteter Familienvereine inAlters-, Spiel- und Zunftgenossenschaften. Es ist herkömmlicheSitte, daß sich wöchentlich einmal die Mitglieder einer Verwandt-schaft, bei einem oder dem andern der dazu Gehörenden, in trau-licher Abendunterhaltung vereinigen. Fremde, oder entferntereVerwandte, sind in der Regel von diesen Gesellschaften ausgeschlossen.Man bespricht sich da freier über eigene und andere Angelegen-heiten; und religiöse Ehrfurcht für Familienbande, die man nieganz zerfallen lassen will, wird Gewohnheit und Bedürfniß. Eineähnliche Verbindung hinwieder wird durch die sogenannten Sonn-tagsgesellschaften" der Altersgenossen gebildet. Kinder verschiedenerHäuser, doch immer nur Knaben mit Knaben, oder Mädchenmit Mädchen, pflegen sich an Sonntagen abwechselnd bald indieser, bald in jener Familie zu versammeln. Da belustigen siesich, bei einfacher Bewirthung, mit Spielen im Zimmer, oder aufSpaziergängen im Freien. Sie wachsen, so zu einander gewöhntund innig bekannt, heran; ihre üblichen Zusammenkünfte und Verbin-dungen bleiben, von zarter Kindheit bis zum hohen Alter, wie sie sind.Verhältnisse, Stand, Beruf, Verheiratungen, Entfernung oder Alterder Gespielen können sich ändern, aber nicht leicht das früh geknüpfteBand zerreißen. Greise nennen sich noch unter einander Gespielen.
Es ist wahr, dies Zusammenrinnen der bürgerlichen Gesell-schaft in vereinzelte Gruppen von Verwandtschaftskreisen, Ge-nossenschaften und Cotterien, erzeugt häufig eine gewisse Einsei-tigkeit im Character. Aber zur Stärke des Charakters gehört aucheine gewisse Einseitigkeit desselben. Glatt abgeschliffene, geschmei-dige Denk- und Handlungsweisen der Menschen können wohl geselligerund gefälliger, abernicht immer achtungswürdiger machen. Ich zweiflekaum, die bezeichneten und andere socialen Einrichtungen seinerVaterstadt geben dem Züricher im Allgemeinen jenen eigenthüm-lichen Zug von Herzlichkeit neben spröder Härte im Aeussern, vonGastfreundlichkeit und zurückhaltender Abgeschlossenheit, von Häus-lichkeit und Trennung der Männer und Frauenzimmer im ge-selligen Leben, der dem Fremdling oft unbehaglich zusagt, aber