Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
392
Einzelbild herunterladen
 

392

4 bis 509. Im I. l809 zählte man nur 37,258 Gebäude,im I. 1828 schon 45,499; gegenwärtig ist die Menge um vielesvergrößert.

Jener schneidende Gegensatz, welchen zum alterthümlichen undwunderlichen Stadt-Kern außerhalb desselben die neuen, geschmack-volleren Bauten und Anlagen von bunt durch einander gewürfeltenPallästen, Gartenhäusern, Gasthöfen, Schulgebäuden und kaumentstandenen Straßen bilden, gibt dem heutigen Zürich eine be-sonders characteristische Eigenthümlichkeit. Es wird zu einem pla-stischen Symbol der Schweiz, wie diese aus dem fünfzehnten Jahr-hundert plötzlich, fast ohne sichtbare Uebergangspuncte, in's neun-zehnte herauswächst.

Das Haugen an traute Herkömmlichkeit ist den Schweizernüberall eigen, wie in ihren Alpenthälern, so in ihren volkreichstenStädten, trotz dem jährlichen Zusammenstuß vieler tausend Fremd-linge aus den verschiedensten Ländern und Welttheilen. Wohl hatder Verkehr mit ihnen, und der gefräßige Strom der Zeit, Manchesdes alten Löblichen und Uulöblichen hiuweggewaschen. Ein wohlweiserRath von Zürich hält es nicht mehr für gerathen, zu befehlen,daß z. B, bei einer Hochzeit nursechs hübsche Leute" (d. i. Mu-sikanten) den Tänzern aufspielen dürfen, nämlichzween Singer,zween Geiger und zween Toiber" (vermuthlich Pfeiffer oder Po-saunisten). Doch hat sich immer noch viel wunderlicher Brauch derguten alten Tage in das verfeinerte Leben und Treiben der heu-tigen Welt hinübergeschlichen und eingerankt. Schreitet eine stattlichaufgeputzte Dieustmagd stolzes Schrittes mit einem ellenlangenBlumenstrauß durch die Gassen, den sie, wegen ungebührlicherGröße, weder in der Hand, noch an der Brust tragen kann, son-dern, wie einen eingefäschten Säugling, im Arm halten muß, sowandert sie zu den Verwandten und Freunden ihrer Herrschaft,um ihnen die Erscheinung eines neugeborenen Familiengenossen zumelden. Ist dieser ein Kuäblein, wird gewöhnlich der Verkünderindie frohe Botschaft reichlicher belohnt, als wenn sie nur die Geburteines Kindes" anzeigte, das heißt nur eines Mägdeleins. Wankthingegen ein altes Weib, über und über schwarz verhüllt, undden Kopf nonnenhaft in weißes Leinen gewickelt, von Haus zuHaus, von Straße zu Straße, so ist die gespensterartige Gestalteine sogenannteKilchgangssagerin." Mit eintöniger hohler Grabes-stimme krächzt sie Allen, die es vernehmen wollen, Namen undletzte Stunde eines eben Verstorbenen. Am Begräbnißtage selbstist das ganze Erdgeschoß des Trauerhauses auf der Straße mit