Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
386
Einzelbild herunterladen
 

386

zu den Bädern auch eine schöne Kunftstraße geführt. Neue palast-artige Gast - und Badehäuser wuchsen nun am Stromufer auf,und weckten die Eifersucht der ältern sich nebenbuhlerisch zu ver-schönern. Es wurden neue Lustgänge und gartenähnliche Anlagenin der romantischen Umgebung gepflanzt, und Bequemlichkeiten,oder Gelegenheiten zu geselligen Freuden für die tausend Gästeerweitert. Die Zahl der letztern nimmt mit den Behaglichkeitenzu, die ihnen geschaffen worden sind; und weder hier, noch inSchinznach, genügt ihrer anschwellenden Menge kaum der, zurAufnahme beinahe verdoppelte Raum.

Schinznach aber ist, für die neuere Schweiz, in einerandern Hinsicht, klassisch geworden. Hier ist der Stammort jenerhelvetischen Gesellschaft, zu der sich immer noch, einJah-ums andre, achtbare Männer aus allen Kantonen ihres eidsgernössischen Vaterlandes versammeln, neue Freundschaften schließen,oder alte verjüngen; sich zu wohlthuender Wirksamkeit ermuntern,und ihren, durch kleinliche Kantonalpolitik, Oertlichkeitsinteressen,Abstammungen, Sprachen, Sitten, Schicksalen und Kirchen ge-trennten Völkerschaften der Schweiz eine Art geistige Einheit zubereiten. Ich will wohl glauben, daß, dies zu bezielen, nicht gleichAnfangs klar im Bewußtseyn der Männer lag, welche sich seit dem Jahr176t in Schinznach regelmäßig zusammenfanden, undihre aufgeklärte-sten Freunde mit sich brachten; aber es ergab sich Alles sehr bald vonselber. Schinznach wurde ein neues Grütli für die Schweiz; und inMännern, wie die J selin von Basel, Zellweg er von Appenzell,UrsBalthasar von Luzern, Hirzel von Zürich, u. a. m. erschienendie neuen Telle. Diese waren jedoch nichts weniger, als Verschwöreroder Staatsumwälzer. Sie wollten nur das Licht der Wissenschaft, dasGefühl der Vaterlandsliebe und Gerechtigkeit allgemeiner machen.Aber schon das war damals hinreichend, Argwohn und Unwillenin den spießbürgerlichen Majestäten der kleinen Stadtaristokratienzu entzünden. Man ließ gelegentlich den Ehrenmännern Ungnadefühlen. Man setzte sie zurück, neckte sie, warnte Andre unter derHand, an der '/superklugen», Gesellschaft Theil zu nehmen, undhielt abhängige Personen zurück, die Versammlungen in Schinznachzu besuchen. So blieben nur die Unabhängigen und Selbstständigenbeisammen. Ihr Kreis erweiterte sich mit der Zeit nach allen Rich-tungen. Im Verkehr mit den weisesten und verehrtesten Männerndes Volks, bildete sich nacheifernd eine hellsinnigere Jugend aus,welche später, in Tagen großen Unglücks, für ihr Vaterland unddessen Rettung aus den Stürmen, sich ruhmwürdig auszeichnete.